Aktionsgruppe Biber

  • Umfrage zur
    Ulmer Gemeinderatswahl 1999
    zum Tierschutz

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Antworten von Kandidat

Rolf Schäfer

(FWG, Listenplatz 9)

Sehr geehrter Herr Dr. Pedro de las Fuente,
sehr geehrte Mitglieder der Aktionsgruppe Biber,
liebe Tierfreunde und Tierschützer,

zunächst bedanke ich mich bei Ihnen sehr herzlich für Ihr Schreiben und der Übersendung Ihres Fragebogens. Sie sind sicherlich mit mir der Meinung, dass sich Ihre Fragen nicht in aller Kürze umfassend beantworten lassen: Wir leben - Gott sei Dank - in einer Interessengesellschaft, in der es insbesondere bei knappen Kassen gilt, oftmals berechtigte Interessen zurückzustellen. Sie werden dabei in mir aber stets einen dem Tierschutz zugeneigten Hörer und Mitstreiter finden.

Nun aber zu Ihren Fragen:

 
          Tierschutz allgemein: 
 

  1. Während alle anderen Bundestagsfraktionen die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz befürworten, haben Teile der CDU/CSU-Fraktion noch Bedenken dagegen. Wie ist Ihre Meinung?
    Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn der Tierschutz im Grundgesetz verankert würde. Aber damit würde sich direkt am Tierschutz nichts ändern. Der Mensch macht die Musik; manchmal leider am Tier vorbei. Der Mensch kann nur im Einklang mit der Natur, also mit dem Tier leben und überleben. Wenn der Mensch diesen Grundsatz bei allen Entscheidungen beachtet, den wir ja im Grundgesetz schon finden und ja auch in der christlich-abendländischen Tradition verankert ist, dann wäre aktiver Tierschutz auch ohne diese Grundgesetzergänzung effektiver zu gestalten. Eine Grundgestzänderung ist also meiner Ansicht nach nicht unbedingt nötig.
     
  2. Viele Tierschutz-Vorschriften der EU sind als Kompromiß zwischen den Interessen mehrerer Länder aus unserer Sicht viel zu lax, doch ist es stets möglich, national strengere Vorschriften zu erlassen. Wären Sie dafür, daß Deutschland beispielsweise bei der Geflügelhaltung oder bei Tiertransporten strengere Vorschriften erläßt? 
    Ja!
     
  3. Stellen Sie sich als Wahlplakat ein Bild von Ihnen vor mit einem Tierschutz-Wahlslogan. Wie würde Ihr Slogan lauten?
    Für eine engagierte Partnerschaft „Mensch/Tier"
     
    Tierschutz kommunal:
     
  4. Der Ausbau des derzeitigen Bärenzwingers zu einem Freigehege, das diesen Namen auch verdient, wird derzeit von 34 der 40 Stadträte unterstützt. Außerdem haben wir über 6000 Unterschriften von Bürgern gesammelt. Der Denkmalschutz ist grundsätzlich mit unseren Vorschlägen einverstanden. Sind Sie auch für eine Erweiterung des Zwingers nach hinten hin in den Innenraum des Fort Friedrichsau?
    Der Umbau des Zwingers ist längst überfällig. Solche Tierzwinger habe ich nur noch in Afrika gesehen. Entweder Umbau oder unsere Bären müssen eine neue Heimat bekommen.
     
  5. Die Stadt Ulm hat Rücklagen in Höhe von 17 Millionen DM, die sie ursprünglich für die neue Straßenbahn ausgeben wollte (und die jetzt wohl hauptsächlich für den anderweitigen Ausbau des Nahverkehrs verwendet werden sollen). Sind Sie angesichts dieser Tatsache der Meinung, daß sich die Stadt Ulm den Ausbau des Bärenzwingers nicht leisten kann, der nach uns vorliegenden Kostenschätzungen größenordnungsmäßig 500 000 DM, also 3% von obiger Summe, kosten dürfte?
    Mit Verlaub! - Hier machen Sie es sich zu einfach: Ulm gehört zu den verschuldetesten Städten. Wenn wir z.B. diese Rücklage zusammen mit einem geplanten Verkauf/Rückführung des riesigen Grundbesitzes der Stadt Ulm zur globalen Entschuldung benutzen, dann haben alle Bürger und alle Tiere etwas davon, und zwar langfristig! Dies scheint mir der richtige Weg zur Sicherung des Gesamtwohl eines gemeinsamen Lebens von Mensch und Tier in der Stadt Ulm.
     
  6. In Heidelberg und Leimen (und vielleicht auch anderswo) gilt für Hunde aus dem Tierheim eine zeitlich befristete Hundesteuer-Befreiung. Wären Sie mit einer Hundesteuer-Reform mit folgenden Eckwerten einverstanden:
    - zeitlich befristete Hundesteuer-Befreiung für Tierheim-Hunde, z.B. für 3 Jahre
    - gleicher Steuersatz für Zweit-, Dritt- usw. -Hunde (statt doppeltem Satz)
    - keine Steuervergünstigungen bei gewerblich gehaltenen Hunden einschl. solchen von Züchtern?
    Hierüber sollte wir nachdenken und zwar im Zusammenhang mit der Einführung von drastischen Gebühren/Ordnungswidrigkeiten für Hunde- und Katzenhalter, die Ihre Tiere auf Kinderkartenplätze und Bürgersteige zur 'Erledigung Ihrer Notdurft' ausführen etc. Die Reinigung der Kinderkartenplätze vom Kot unserer Lieblinge kostet unnötige Summen. Dieser Betrag wäre leicht einzusparen und zum engagierten Tierschutz wie der Renovierung und Instandhaltung des Tierheims zu verwenden: Manchmal wird Tierliebe meiner Meinung nach falsch verstanden. Kindergartenplätze, Straßen, Radwege, Bürgersteige, Parks etc. sind keine Tiertoilette!
     
  7. Das Tierheim in Ulm arbeitet seit Jahrzehnten am Rande des Ruins, nicht weil schlecht gewirtschaftet wird, sondern weil eine einigermaßen anständige Unterbringung der Tiere seinen Preis hat. In letzter Zeit sind zwar die Zahlungen der Städte und Landkreise ans Tierheim erhöht worden, sind Sie dennoch für eine weitere Verbesserung der städtischen Hilfe, beispielsweise durch Erlassen oder Rückspenden der Müllgebühren oder der Gebühren für Strom/Wasser?
    Das Tierheim braucht dringend eine Renovierung. Hier ist es reiner Ansicht nach nicht mit Gebührenermäßigung getan. Das Gesamtkonzept eines Tierheimes in der Stadt muß überdacht und neu angelegt werden. Artgerechte Tierhaltung gehört auch in ein Tierheim.
     
  8. Die Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm trägt durch ihre Kastrations- und Sterilisationskampagnen von wilden Katzen dazu bei, die Zahl der Katzen in Ulm und Neu-Ulm zu verringern und das Tierheim zu entlasten, ohne einen Pfennig Zuschüsse von kommunaler Seite zu bekommen. Halten Sie einen solchen präventiven Ansatz für unterstützungswürdig?
    Ja.
     
  9. Die derzeitige Führung der Blau im Stadtbereich birgt für Jung-Enten tödliche Gefahren. So dürfte dieses Jahr kein einziges Entchen im Fischerviertel überlebt haben. Würden Sie für ein kleines "Stadtqualitätsprogramm" für Enten eintreten, d.h. für eine systematische Beseitigung von Gefahrenstellen und evtl. für die Errichtung von Brutinseln?
    Dies war mir nicht bekannt. Eine Lösung dürfte aber nicht die Welt kosten. Idee: Sponsoring durch einen Betrieb oder Innung etc. und/oder Durchführung eines Jugend-/Schulprojektes mit der Aktionsgruppe Biber.
     
  10. Taubenkot ist nachgewiesenermaßen kein besonderes hygienisches Problem, aber trotzdem ein Problem. Viele Städte, darunter auch Ulm, versuchen, es mit einem Tauben-fütterungsverbot zu lösen. Tierschützer treten hingegen für die flächendeckende(!) Einrichtung von Taubenhäusern (z.B. in Schulen, Parkhäusern und anderen städtischen Gebäuden) in denen Geburtenkontrolle dadurch betrieben wird, daß in den Nestern echte Eier durch Gipseier ausgetauscht werden. Würden Sie im Fall Ihrer Wahl einen derartigen Vorschlag unterstützen?
    Leider kenne ich mich in dieser Problematik nicht aus. Ich müßte mich hier erst sachkundig machen, wofür Sie sicherlich Verständnis haben. Wenn Sie mich in dieser Sache mit weiteren Informationen versorgen könnten, wäre ich Ihnen dankbar.

Ich hoffe, daß meine kurzen Antworten Ihren Zwecken, Wünschen und Vorstellungen entsprechen.

Natürlich stehe ich Ihnen auch gerne zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung, damit auch ich Ihre Arbeit aus direkter Nähe kennen lernen kann.

Haben Sie noch Fragen? — Rufen Sie doch einfach an. Oder mailen Sie? Gerne erwarte ich Ihre Antwort. Hochachtungsvoll

(gez. Rolf Schäfer)
M.A. Mag. rer. publ.

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