Aktionsgruppe Biber
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Umfrage zur
Ulmer Gemeinderatswahl 1999
zum Tierschutz
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Antworten von Kandidat
(FWG, Listenplatz 9)
Sehr geehrter Herr Dr. Pedro de las Fuente,
sehr geehrte Mitglieder der Aktionsgruppe Biber,
liebe Tierfreunde und Tierschützer,
zunächst bedanke ich mich bei Ihnen sehr herzlich für Ihr Schreiben
und der Übersendung Ihres Fragebogens. Sie sind sicherlich mit mir der
Meinung, dass sich Ihre Fragen nicht in aller Kürze umfassend beantworten
lassen: Wir leben - Gott sei Dank - in einer Interessengesellschaft, in der
es insbesondere bei knappen Kassen gilt, oftmals berechtigte Interessen
zurückzustellen. Sie werden dabei in mir aber stets einen dem Tierschutz
zugeneigten Hörer und Mitstreiter finden.
Nun aber zu Ihren Fragen:
Tierschutz
allgemein:
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Während alle anderen
Bundestagsfraktionen die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz
befürworten, haben Teile der CDU/CSU-Fraktion noch Bedenken dagegen.
Wie ist Ihre Meinung?
Sicherlich wäre es wünschenswert,
wenn der Tierschutz im Grundgesetz verankert würde. Aber damit würde
sich direkt am Tierschutz nichts ändern. Der Mensch macht die Musik;
manchmal leider am Tier vorbei. Der Mensch kann nur im Einklang mit der Natur,
also mit dem Tier leben und überleben. Wenn der Mensch diesen Grundsatz
bei allen Entscheidungen beachtet, den wir ja im Grundgesetz schon finden
und ja auch in der christlich-abendländischen Tradition verankert ist,
dann wäre aktiver Tierschutz auch ohne diese Grundgesetzergänzung
effektiver zu gestalten. Eine Grundgestzänderung ist also meiner Ansicht
nach nicht unbedingt nötig.
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Viele Tierschutz-Vorschriften
der EU sind als Kompromiß zwischen den Interessen mehrerer Länder
aus unserer Sicht viel zu lax, doch ist es stets möglich, national strengere
Vorschriften zu erlassen. Wären Sie dafür, daß Deutschland
beispielsweise bei der Geflügelhaltung oder bei Tiertransporten strengere
Vorschriften erläßt?
Ja!
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Stellen Sie sich als Wahlplakat
ein Bild von Ihnen vor mit einem Tierschutz-Wahlslogan. Wie würde Ihr
Slogan lauten?
Für eine engagierte Partnerschaft
Mensch/Tier"
Tierschutz
kommunal:
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Der Ausbau des derzeitigen Bärenzwingers zu einem
Freigehege, das diesen Namen auch verdient, wird derzeit von 34 der 40
Stadträte unterstützt. Außerdem haben wir über 6000
Unterschriften von Bürgern gesammelt. Der Denkmalschutz ist
grundsätzlich mit unseren Vorschlägen einverstanden. Sind Sie auch
für eine Erweiterung des Zwingers nach hinten hin in den Innenraum des
Fort Friedrichsau?
Der Umbau des Zwingers ist längst
überfällig. Solche Tierzwinger habe ich nur noch in Afrika gesehen.
Entweder Umbau oder unsere Bären müssen eine neue Heimat
bekommen.
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Die Stadt Ulm hat Rücklagen
in Höhe von 17 Millionen DM, die sie ursprünglich für die
neue Straßenbahn ausgeben wollte (und die jetzt wohl hauptsächlich
für den anderweitigen Ausbau des Nahverkehrs verwendet werden sollen).
Sind Sie angesichts dieser Tatsache der Meinung, daß sich die Stadt
Ulm den Ausbau des Bärenzwingers nicht leisten kann, der nach uns
vorliegenden Kostenschätzungen größenordnungsmäßig
500 000 DM, also 3% von obiger Summe, kosten dürfte?
Mit Verlaub! - Hier machen Sie es sich zu einfach:
Ulm gehört zu den verschuldetesten Städten. Wenn wir z.B. diese
Rücklage zusammen mit einem geplanten Verkauf/Rückführung
des riesigen Grundbesitzes der Stadt Ulm zur globalen Entschuldung benutzen,
dann haben alle Bürger und alle Tiere etwas davon, und zwar langfristig!
Dies scheint mir der richtige Weg zur Sicherung des Gesamtwohl eines gemeinsamen
Lebens von Mensch und Tier in der Stadt Ulm.
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In Heidelberg und Leimen (und
vielleicht auch anderswo) gilt für Hunde aus dem Tierheim eine zeitlich
befristete Hundesteuer-Befreiung. Wären Sie mit einer Hundesteuer-Reform
mit folgenden Eckwerten einverstanden:
- zeitlich befristete Hundesteuer-Befreiung für Tierheim-Hunde, z.B.
für 3 Jahre
- gleicher Steuersatz für Zweit-, Dritt- usw. -Hunde (statt doppeltem
Satz)
- keine Steuervergünstigungen bei gewerblich gehaltenen Hunden einschl.
solchen von Züchtern?
Hierüber sollte wir nachdenken und zwar
im Zusammenhang mit der Einführung von drastischen
Gebühren/Ordnungswidrigkeiten für Hunde- und Katzenhalter, die
Ihre Tiere auf Kinderkartenplätze und Bürgersteige zur 'Erledigung
Ihrer Notdurft' ausführen etc. Die Reinigung der Kinderkartenplätze
vom Kot unserer Lieblinge kostet unnötige Summen. Dieser Betrag wäre
leicht einzusparen und zum engagierten Tierschutz wie der Renovierung und
Instandhaltung des Tierheims zu verwenden: Manchmal wird Tierliebe meiner
Meinung nach falsch verstanden. Kindergartenplätze, Straßen, Radwege,
Bürgersteige, Parks etc. sind keine Tiertoilette!
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Das Tierheim in Ulm arbeitet
seit Jahrzehnten am Rande des Ruins, nicht weil schlecht gewirtschaftet wird,
sondern weil eine einigermaßen anständige Unterbringung der Tiere
seinen Preis hat. In letzter Zeit sind zwar die Zahlungen der Städte
und Landkreise ans Tierheim erhöht worden, sind Sie dennoch für
eine weitere Verbesserung der städtischen Hilfe, beispielsweise durch
Erlassen oder Rückspenden der Müllgebühren oder der Gebühren
für Strom/Wasser?
Das Tierheim braucht dringend eine Renovierung.
Hier ist es reiner Ansicht nach nicht mit Gebührenermäßigung
getan. Das Gesamtkonzept eines Tierheimes in der Stadt muß überdacht
und neu angelegt werden. Artgerechte Tierhaltung gehört auch in ein
Tierheim.
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Die Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm
trägt durch ihre Kastrations- und Sterilisationskampagnen von wilden
Katzen dazu bei, die Zahl der Katzen in Ulm und Neu-Ulm zu verringern und
das Tierheim zu entlasten, ohne einen Pfennig Zuschüsse von kommunaler
Seite zu bekommen. Halten Sie einen solchen präventiven Ansatz für
unterstützungswürdig?
Ja.
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Die derzeitige Führung
der Blau im Stadtbereich birgt für Jung-Enten tödliche Gefahren.
So dürfte dieses Jahr kein einziges Entchen im Fischerviertel überlebt
haben. Würden Sie für ein kleines "Stadtqualitätsprogramm"
für Enten eintreten, d.h. für eine systematische Beseitigung von
Gefahrenstellen und evtl. für die Errichtung von Brutinseln?
Dies war mir nicht bekannt. Eine Lösung dürfte
aber nicht die Welt kosten. Idee: Sponsoring durch einen Betrieb oder Innung
etc. und/oder Durchführung eines Jugend-/Schulprojektes mit der
Aktionsgruppe Biber.
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Taubenkot ist
nachgewiesenermaßen kein besonderes hygienisches Problem, aber trotzdem
ein Problem. Viele Städte, darunter auch Ulm, versuchen, es mit einem
Tauben-fütterungsverbot zu lösen. Tierschützer treten hingegen
für die flächendeckende(!) Einrichtung von Taubenhäusern (z.B.
in Schulen, Parkhäusern und anderen städtischen Gebäuden)
in denen Geburtenkontrolle dadurch betrieben wird, daß in den Nestern
echte Eier durch Gipseier ausgetauscht werden. Würden Sie im Fall Ihrer
Wahl einen derartigen Vorschlag unterstützen?
Leider kenne ich mich in dieser Problematik nicht aus.
Ich müßte mich hier erst sachkundig machen, wofür Sie sicherlich
Verständnis haben. Wenn Sie mich in dieser Sache mit weiteren Informationen
versorgen könnten, wäre ich Ihnen dankbar.
Ich hoffe, daß meine kurzen Antworten Ihren Zwecken, Wünschen
und Vorstellungen entsprechen.
Natürlich stehe ich Ihnen auch gerne zu einem persönlichen
Gespräch zur Verfügung, damit auch ich Ihre Arbeit aus direkter
Nähe kennen lernen kann.
Haben Sie noch Fragen? Rufen Sie doch einfach an. Oder mailen Sie?
Gerne erwarte ich Ihre Antwort. Hochachtungsvoll
(gez. Rolf Schäfer)
M.A. Mag. rer. publ.
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