Arbeitskreis Bioethik Braunschweig 

c/o Martin Vogt 
Gerstäckerstraße 23 
38102 Braunschweig
 
Tel/Fax: 0531-79 44 74 
e-mail: AkBioethik@aol.com 
Braunschweig, den 9. Dezember 1999

  

Einladung zur Gründung
eines bundesweiten "Informations- und Aktionsnetzes" der bioethik-kritischen Öffentlichkeit
am 26. Februar 2000
zwischen 11.00 und 16.00 Uhr
nach Braunschweig

  

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bioethikkritikerinnen und -kritiker,
 
werte Mitstreiterinnen und Mitstreiter ! 

Die Nachricht vom "Kippen" der Enquete-Kommission zu Fragen der Bioethik bewog zahlreiche Einzelpersonen, Initiativen und Institutionen zum Protest gegen diese Entscheidung. Mit einem Etappensieg: Die daraufhin eingerichtete SPD ad-hoc-Arbeitsgruppe zur Klärung der Frage "Enquete - ja oder nein" hat sich entschieden. Sie befürwortet ihre Einsetzung. Anfang 2000 soll sie ihre Arbeit aufnehmen. Der Bereich "grüne" Gentechnik soll bei den Beratungen ausgeklammert werden (Frankfurter Rundschau 4.12.99). 

Zu dieser freudigen Nachricht gesellt sich aber auch Skepsis, deuten die vergangenen Geschehnisse doch die machtpolitischen Interessen an, denen eine Bioethik-Enquete ausgesetzt sein wird. 

So ist der nationale und internationale organisatorische Aufbau des 'bioethischen Apparates' weitestgehend abgeschlossen. Auch in Deutschland befassen sich zahlreiche wissenschaftliche Institute und Gremien mit bioethischen Fragestellungen. Die nationalen und europäischen Forschungsprogramme sind beschlossen, die Gelder für die nächsten Jahre anwendungsorientierter Humanforschung fließen. Sie bestehen aus Steuermitteln, Drittmitteln der Industrie, Krediten und privaten Investitionen. Wissenschaft und Industrie sind die Empfänger. 

Angesichts der so geschaffenen organisatorischen Strukturen mit ihren Abhängigkeiten, Verflechtungen, Zwängen und den zugrundeliegenden Interessen, stellt sich die Frage, ob die gegenwärtigen Formen des Protests und Widerstands ausreichen werden, um den Schutz der Menschenwürde gegen die 'bioethische Offensive' aufrecht zu erhalten. Zwar wurde die Unterzeichnung der Konvention bis heute verhindert, an den von der Forschung, Industrie und Politik geschaffenen Fakten und Zielsetzungen konnte dies leider nichts ändern. 

Von Einzelpersonen, Initiativen und Verbänden wird seit einiger Zeit diskutiert, wie die bestehenden Strukturen, Strategien und Aktionen zur Förderung eines gesellschaftlichen Diskurses über die sozialen, rechtlichen und ethischen Fragen der Bioethik weitergeführt und fortentwickelt werden können. In einigen Orten und Regionen sind aus diesen Überlegungen bereits Initiativen mit lokalem Netzwerkcharakter und Interessengemeinschaften hervorgegangen. 

Unterstützt durch andere bioethik-kritische Einzelpersonen und Gruppierungen möchte der Arbeitskreis Bioethik Braunschweig an diese Diskussion sowie ihrer Ergebnisse anknüpfen und mit Ihnen ein bundesweites "Informations- und Aktionsnetz" schaffen. Ziel soll die Förderung einer Verbindung zwischen den an einer kritischen Beobachtung der Biowissenschaften interessierten Gruppierungen und Einzelpersonen sein. Genutzt werden könnte sie zum schnellen Informationsaustausch, zur Aufklärung der Öffentlichkeit und/oder zur Koordinierung gemeinsamer Aktionen, aber vor allem zur Unterstützung des gesellschaftlichen Dialoges über Grenzen und Verantwortung menschlichen Handelns. 

Über die uns bekannten und zur Verfügung stehenden Verteiler laden wir Sie deshalb für den 26. Februar 2000 für die Zeit zwischen 11.00 und 16.00 Uhr herzlich zur Gründung eines bundesweiten "Informations- und Aktionsnetzes" nach Braunschweig ein. 

Für den Vormittag sind kurze Statements und Diskussionen zum Thema  

"Facetten 'bioethischer Realität' - Versuch einer Bestandsaufnahme"

geplant. 

Hierfür konnten wir gewinnen: 

Frau Andrea Fischer (angefragt), Bundesgesundheitsministerin und MdB 

Herr Jobst Paul, Mitbegründer der Initiative gegen die Bioethik-Konvention und Autor des Buches "Im Netz der Bioethik" 

Herr Marcus Düwell vom Tübinger "Zentrum für Ethik in den Wissenschaften" 

Herr Wolfgang Wodarg, MdB und Leiter der ad-hoc Arbeitsgruppe der SPD zur Klärung der Frage "Bioethik-Enquete - ja oder nein" 

Frau Renée Krebs, Mitarbeiterin im Büro des Landesbeauftragten für Behindertenfragen des Landes Niedersachsen 

Nachmittags möchten wir gemeinsam mit Ihnen Möglichkeiten sowie Grenzen einer bundesweiten Vernetzung besprechen und auf dieser Grundlage das "Informations- und Aktionsnetz" gründen. 

Ihre Anmeldung schicken Sie uns bitte unter Angabe der Personenzahl bis zum 30. Januar 2000 zu. Das Treffen wird in für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Räumlichkeiten stattfinden. 

Nach Ihrer Anmeldung werden Ihnen bis Mitte Februar das genaue Programm, die Kosten für Ihre evtl. Unterkunft (wir werden versuchen, diese so gering wie möglich zu halten) und eine Wegbeschreibung für Ihre Anreise zugesandt. 

Mit freundlichen Grüßen, für den Vorbereitungskreis 
i.A. Martin Vogt 

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