Arbeitskreis Bioethik Braunschweig
c/o Angelika Wessel Tel + Fax: 0531- 50 65 15

Rundbrief  Juli 2001

 

Lieber Leser dieses Rundbriefes,

in Niedersachsen haben die Ferien begonnen, und das Wetter ist sommerlich warm. Dennoch erhalten Sie einige Nachrichten.

Inhalt - Beschluss: Zu Fragen der Humangenetik und der Fortpflanzungsmedizin - Wird der Europäische Gerichtshof Gen-Patente erlauben? - Daubler-Gmelin: Forschung mit Embryo-Stammzellen ware "Tabubruch" - Merkel warnt vor "Embryonenverbrauch" - aber fur "Ethik... - Im Land der Kindermacher - DFG verschiebt Entscheidung zu Stammzell-Projekt - Kirchen: Zweckdenken widerspricht der Würde des Menschen - Ethik Kongreß im Oktober 2002 - Embryonale Stammzellen aus Israel: Im Wortlaut ein Schreiben Kardinal Meisners - Greenpeace - Deutschland stoppt Zulassung von gentechnisch verandertem Mais - PID löst Grundkonflikt nicht - Abtreibung auf See - Volksabstimmung - Nationaler Ethikrat

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VORSCHAU Vorausschau, Voraus-Blick, Tagungen, Vorträge, Kongresse zusammengestellt vom Arbeitskreis Bioethik Braunschweig

Juli 2001 6. bis 7. 7. Fachtagung Der (im-)perfekte Mensch: Zwischen Anthropologie, Ästhetik und Therapeutik. In Kooperation mit der Deutschen Behindertenhilfe-Aktion Mensch e.V., der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin. Ort: Deutsches Hygiene-Museum Dresden. Um Anmeldung wird gebeten bei Deutsches Hygiene-Museum, Forum Wissenschaft, Tel: 0351 - 4846 - 484, Fax: 0351 - 4846 - 587, e-Mail: science@dhmd.de Die Veranstaltung wird in Gebärdensprache übersetzt. Tagungsgebühr: DM 20,-- pro Tag. Weitere Informationen unter www.imperfekt.de

8. bis 11.7. Der 10th European congress on Biotechnology wendet sich an ale BiotechnikerInnnen aus Industrie und Forschung. Veranstalter/Kontakt: SIASA CONGRESOS / VJIAJES S.A., Spanien. Tel: Spanien - 34 91 457 48 91, Fax: Spanien 34-91 458 10 88, e-M: siasa@retemail.es

11. bis 13.7. Süddeutsche Hospiztage in Stuttgart. Sekretariat: Adelheid Ulrich, Tel: 07164 - 79 212, Fax: 07164 -79 13 03, e-m: adelheid.ulrich@ev-akademie-boll.de

14.7. Das Geschlecht der Gene. Prof. Dr. Gerburg Treusch-Dieter. In dem Vortrag wird ausgehend von der antiken Zeugungstheorie die Entkopplung von Sexualität und Fortpflanzung in der Moderne aufgenommen - unter dem Aspekt, dass sie die Vorraussetzung für die Gen- und Reproduktiontechnologie ist. Eingegangen wird auf die Frage, inwiefern die Codierung der Zeugung, die mit der Organisation der Geschlechterdifferenz aufs engste zusammenhängt, sich durch die Art und Weise der Erzeugung bestimmt. Das, was diese Frage inzwischen einschliesst, hat dazu geführt, dass die Reproduktion selbst zur Produktion geworden ist: zur Lebensproduktion, die als biotechnologische Innovation für das 21. Jahrhundert fungiert. Ort: A6-Laden, Adalbertstr. 6 (U-Bhf. Kottbusser Tor). Zeit: 19.30 Uhr

16. und 17.7. in Tutzing "Der Wunsch nach einem gesunden Kind- Problematik der Reproduktionsmedizin. Auskunft Ev. Akademie Tutzing, Schloss St. 2-4, 82327 Tutzing. Tel. 08158/ 2510

18.7. Passion Recherche - ein Film von Ulrike Schaz u. a. (1991). Wie kommt "Natur " im Labor vor, wie wird daran geforscht? Forschung als Leidenschaft - der Film dokumentiert den Blick der Biowissenschaften auf ihr Objekt: Je mehr der Embryo in den Vordergrund gerückt wird, desto unsichtbarer wird der Frauenkörper. Dabei wird deutlich, dass sich in der Interpretation biologischer Vorgänge zuallererst die gesellschaftlichen Verhältnisse widerspiegeln. . Ort: A6-Laden, Adalbertstr. 6 (U-Bhf. Kottbusser Tor). Zeit: 19.30 Uhr

25.7. Die Herren der Bilder - Popularisierung & Ästhetisierung von Wissenschaft mit Erika Feyerabend von BioSkop (Essen). Begriffe wie "Genom" oder "Stammzelle" machen heute schnell Karriere, eine Medienkarriere in Schrift und Bild. Doppelhelix und der visualisierte Embryo wirken wie Embleme oder Markenzeichen einer neuen Industrie, die sich am menschlichen Körper bildet. Es sind besonders die unterhaltsamen und populären Darstellungen, die selbstverständlich machen, was zuvor undenkbar war. Der Körper wird zum puren Ensemble produktiver Substanzen. . Ort: A6-Laden, Adalbertstr. 6 (U-Bhf. Kottbusser Tor). Zeit: 19.30 Uhr

20.12.2000 bis 12.8.2001 Der (im-)perfekte Mensch. Ausstellung im Deutschen Hygiene Museum in Dresden. Zusammen mit der Aktion Mensch e.V. stellt die Ausstellung Fragen auf wie zum Beispiel, wie (im-)perfekt Menschen in einer Umgebung leben koennen, die sich der Perfektionierung des Lebens verschrieben haben? Wie lebt umgekehrt die sich ihrer Normalitaet gewisse Mitwelt mit dem (Im-)perfekt-Sein des anderen? Weitere Informationen: Stiftung Deutsches Hygiene Musem, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Tel: 0351-4846 304, Fax: 0351-4846-58, www.imperfekt.de

13. August 2001 Trauern - ein lebens-hinderndes und - oder ein lebens-förderndes Geschehen? Referent: Klaus Pieper. Ort: Hospiztreff im Hohetorwall 1A, Braunschweig. 17.30 Uhr.

20. bis 22. August 2001 Zuhören - Verstehen - Loslassen. Gespräche mit Sterbenden und ihren Angehoörigen. Vertiefung fuer Pflegekraefte. Ort: Lutherstift Falkenburg. Tagung in Kooperation mit der Ev. Akademie Loccum. Information: Zentrum für Gesundheitsethik, Knochenhauerstrasse 33, 30159 Hannover, Tel: 0511 - 1241 - 496, Fax: 0511 - 1241 - 497

24. bis 26. August 2001 Verletzbarer Körper - begnadeter Mensch. Vom Körperverständnis in Medizin und theologie Ev. Akademie Loccum.. Information: Zentrum fuer Gesundheitsethik, Knochenhauerstrasse 33, 30159 Hannover, Tel: 0511 - 1241 - 496, Fax: 0511 - 1241 - 497

28. August, 19.00 - 20.30 Uhr Das Bild von der eigenen Weiblichkeit behinderter Frauen in einer nichtbehinderten Gesellschaft. Anmeldung: CeBeef, Andrea Plumpe, Tel: 069 - 979877-22 (10.00 - 14.00 Uhr)

31. August bis 2. September Sterbebegleitung und Trauerarbeit mit Usel Jüdt. Ort: Erfurt. Anmeldung: Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand (IGSL-Hospiz), Postfach 1408, 55384 Bingen, Fax: 06721 - 103 81

31. August bis 2. September Sterbebegleitung und Trauerarbeit mit Christel Friedrich. Ort: Bühl-Neusatzeck. Anmeldung: Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand (IGSL-Hospiz), Postfach 1408, 55384 Bingen, Fax: 06721 - 103 81

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Quelle: Dr. Katrin Grüber katrin.grueber@t-online.de

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

1. Ordentlicher Länderrat 15./16. Juni 2001 in Berlin

Beschluss: Zu Fragen der Humangenetik und der Fortpflanzungsmedizin

Politik in der Verantwortung: Ethische Rahmensetzung im biotechnischen Zeitalter

Die rasanten technischen Entwicklungen in der Fortpflanzungsmedizin insbesondere in Verknüpfung mit der Gentechnik werfen grundsätzliche ethische Fragen auf, die nicht einfach beantwortet werden können. Ihre Beantwortung wird weitreichende Auswirkungen auf das Menschenbild und das Zusammenleben von Menschen in unserer Gesellschaft haben. Deshalb ist eine breite gesellschaftliche Debatte über Risiken und Chancen des biotechnischen Zeitalters unverzichtbar. Gegenwärtig sind allerdings die technischen Entwicklungen schneller als die Entscheidungen über den Umgang mit ihnen.

Die Verantwortung der Politik wächst deshalb. Sie muss einerseits den gesellschaftlichen Diskurs verstärken, andererseits konkrete Entscheidungen treffen, weil sonst die staatliche Rahmensetzung ins Hintertreffen gerät und die technischen Entwicklung aus dem Ruder läuft.

Dabei müssen Normen, Werte und Handlungsorientierungen offengelegt werden. Auch wenn manche den Eindruck erwecken wollen: die Diskussion wird von keiner ihrer TeilnehmerInnen ohne Standpunkt oder losgelöst von Interessen geführt.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind kritische BegleiterInnen, die der Modernisierung im Bereich Fortpflanzungsmedizin und Gentechnik eine an der Menschenwürde, den Bürgerrechten und an der Vielfältigkeit des menschlichen Lebens orientierte Richtung geben wollen. In diesem Sinne führen wir eine Wertedebatte. Wir stellen uns der schwierigen Diskussion im Spannungsfeld von Machbarkeit und ethischer Begrenzung. Ein Grundgedanke, von dem wir uns in dieser innerparteilichen und gesellschaftlichen Debatte leiten lassen, ist, dass das weitere Voranschreiten biomedizinischer Forschung und Eingriffsmöglichkeiten kein Automatismus ist und keine vollendete Tatsache darstellt, sondern nur eine Möglichkeit von vielen.

Es ist kein natürlicher Vorgang, dass der Mensch selbst in seiner genetischen Ausstattung zum Objekt forscherischer Begierde und manipulativer Eingriffe geworden ist. Die falschen Versprechungen des biotechnischen Zeitalters, täglich in Zeitungsmeldungen, Wissenschaftsreports und Fernsehberichten transportiert, lauten, dass Krankheit, Behinderung und Leiden aus der Welt geschafft werden können und dem Tod durch Herstellung von Klonen ein Schnippchen geschlagen werden soll. Gleichzeitig nimmt die Verflechtung zwischen Forschung und wirtschaftlicher Anwendung zu. Wir beobachten dies mit Sorge, denn es bedeutet, dass Forschungsziele vor allem an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit ausgerichtet und nicht primär an der Menschenwürde und dem Zusammenhalt der Gesellschaft als solidarische Gemeinschaft"

Für diese Grundsätze werden die Grünen streiten.

Deshalb bestimmen folgende Eckpunkte die Position, die wir in den kommenden Auseinandersetzungen vertreten:

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) als eine Methode zur Selektion behinderten Lebens bei künstlicher Befruchtung lehnen wir ab, auch wenn sie für einzelne betroffene Elternpaare eine zusätzliche Entscheidungsoption sein mag. Wir orientieren uns dabei am Grundsatz der Behindertenbewegung "Es ist normal verschieden zu sein". Wir treten ein für die Wertschätzung der ganzen Bandbreite menschlicher Individualität. Jedes Kind ist einzigartig und unvergleichlich. Dies darf auch nicht durch die PID oder eine beliebige Vermehrung von Individuen durch Klonen entwertet werden. In diesem Zusammenhang muss auch die Diskussion über die Auswirkungen der pränatalen Diagnostik (in uteri) geführt werden. Wir fordern eine kritische Auseinandersetzung mit den Folgen der Screenings aus Sicht der Behinderten und der Frauen.

Eine Reduktion auf die "fitten, normgerechten" Bürgerinnen und Bürger würde eine Verarmung der Gesellschaft und die Entsolidarisierung von denen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind, zur Folge haben. Die jeweils schwächsten Mitglieder der Gesellschaft sind unser Maßstab für die ethische Güte von Entscheidungen. Wir plädieren dafür, dass das Leben mit Menschen mit Behinderungen akzeptiert und gesellschaftlich, politisch und finanziell besser unterstützt wird.

Das Klonen von Embryonen und das Forschen an Embryonen sollen in der Bundesrepublik verboten bleiben.

Wir unterstützen Bemühungen der Bundesregierung auf der europäischen Ebene gegen eine Patentierungsmöglichkeit für Gene, Gensequenzen, Lebewesen oder Teilen davon zu streiten. Wir plädieren für eine diesbezügliche Revision der EU-Biopatentrichtlinie. Wir erwarten darüber hinaus, dass bei den Beratungen im Bundestag zur Umsetzung der EU-Patentrichtlinie die Empfehlungen der Enquetekommission des Bundestages "Recht und Ethik der Modernen Medizin" und des Bundesrates umgesetzt werden.

Das individuelle menschliche Genom und genetische Daten müssen geschützt werden. Mit dem Wunsch genetische Informationen über sich selbst zu erhalten, muss ein Recht auf Nichtwissen korrespondieren. Die Freiwilligkeit der Genomanalyse und der Schutz der Vertraulichkeit müssen Vorrang vor etwaigen wirtschaftliche Interessen haben. Arbeitgeber oder Versicherer dürfen Gentests weder verlangen noch annehmen. Wir plädieren für die schnelle Erarbeitung eines Gesetzes zum Schutz individueller genetischer Daten.

Heute noch beschäftigen Biomedizin und Gentechnik - ihre Potentiale und Gefahren - die meisten Menschen mehr in ihrer Vorstellungskraft. Aber schon morgen können sie in erheblichem Umfang uns und unsere Umwelt beeinflussen. Die hier skizzierten Eckpunkte ermöglichen politisches Handeln in der Gegenwart, das zukünftige Entwicklungen bereits mitbedenkt.

Hinweis Homepage des Landesverbandes NRW (www.gruene-nrw.de), auf der sich einige Texte zu diesem Thema finden, u.a. auch die Resolution der Bundesargebeitsgemeinschaften ["Der Alp-(traum) der leidensfreien Gesellschaft -Herausforderung an unser Menschen- und Gesellschaftsbild"], die anlaesslich einer Tagung im November entstanden ist.

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Presseerklärung vom 14. Juni 2001

Wird der Europäische Gerichtshof Gen-Patente erlauben? Greenpeace: Regierungen und Parlamente müssen Patente auf Leben stoppen

Luxemburg/ Brüssel/ Hamburg, 14. 6. 2001 - Die Klage der Niederlande, Italiens und Norwegens gegen die umstrittene Gen-Patent-Richtlinie der EU wird der Europäische Gerichtshof voraussichtlich abweisen. Der Generalanwalt des Gerichtshofes in Luxemburg erklärte heute, dass die Klage der drei Länder zwar auf berechtigten ethischen Anliegen basiere. Sie sei aber juristisch unbegründet. Ein Termin für die endgültige Entscheidung wurde noch nicht genannt. Greenpeace fordert die EU-Länder auf, das Problem politisch zu lösen und die Patent-Richtlinie erst gar nicht in nationales Recht umzusetzen. Über die Umsetzung in Deutschland berät der Bundestag am 21. Juni.

Mit der Bio-Patent-Richtlinie wird in Europa erstmals die Vergabe von Patenten auf lebende Organismen gesetzlich erlaubt. Sie ermöglicht es der Biotechnik-Industrie, Monopol-Rechte auf einzelne Gene, Teile des menschlichen Körpers, auf Tiere, Pflanzen und Saatgut zu erhalten.

"Die Patentierung von Leben muss von den Regierungen und Parlamenten der EU-Staaten aufgehalten werden, nicht von den Gerichten", sagt Christoph Then, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Sie müssen den politischen Druck auf die Europäische Union erhöhen, die Richtlinie neu zu verhandeln. Es darf keine Patente auf Leben geben. Nicht einmal Patente auf menschliche Embryonen werden mit dieser Richtlinie in Europa wirkungsvoll verhindert."

Die Niederlande, Italien und Norwegen wollten mit ihrer Klage erreichen, dass die Patent-Richtlinie 98/44/EG für nichtig erklärt wird. Nach ihrer Rechtsauffassung verstößt die Richtlinie gegen die Prinzipien des EU-Rechtes und ist unvereinbar mit der Menschenwürde. Auch die meisten anderen EU-Staaten haben die Richtlinie bisher nicht umgesetzt.

Die Richtlinie war international in die Kritik geraten, nachdem das Europäische Patentamt (EPA) in München unter Berufung auf diese Regel damit begonnen hatte, Pflanzen und Tiere zu patentieren und auch Patente auf menschliche Gene für legal erklärte. Greenpeace deckte auf, dass das EPA sogar Patente auf menschliche Organe, auf menschliche Embryonen und auf Mischwesen aus Mensch und Tier erteilt hat.

In Deutschland haben sich bereits der Bundesrat und die Ethikkommission des Bundestages gegen die Patent-Richtlinie ausgesprochen. Außerdem lehnen der Europarat, die Bundesärztekammer, die katholische und die evangelische Kirche sowie viele weitere Organisationen die EU-Richtlinie ab.

Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Christoph Then, Tel. 040-30618-395, und Pressesprecher Michael Hopf, Tel. 040-30618-345. Internet: www.greenpeace.de

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Daubler-Gmelin: Forschung mit Embryo-Stammzellen ware "Tabubruch"

Frankfurt/Main (dpa), 16.6.2001 - Die Forschung mit embryonalen Stammzellen in Deutschland ware nach Ansicht von Bundesjustizministerin Herta Daubler-Gmelin (SPD) ein "Tabubruch". Zunachst sollte die Forschung mit Stammzellen von Erwachsenen vorangetrieben werden, um zu erforschen, ob auch mit diesen Zellen eine "Ethik des Heilens" moglich sei, sagte die SPD-Politikerin am Samstag auf dem Forum Gentechnik beim Evangelischen Kirchentag in Frankfurt. Dagegen verteidigte der Bonner Wissenschaftler Otmar Wiestler seine Plane, embryonale Stammzellen aus Israel einzufuhren und damit zu forschen.

Wiestler, der mit einzelnen Pfiffen empfangen wurde, sagte, aus wissenschaftlicher Sicht mussten verschiedene Wege verfolgt werden. Es bestehe Hoffnung, mit der Stammzellenforschung langfristig Krankheiten besser zu behandeln. Die Bonner Wissenschaftler wollten Embryonen nicht "verbrauchen", sondern eine kleine Zahl von embryonalen Stammzellen, die seit langer Zeit tiefgefroren seien, einfuhren, um mit ihnen unter strengen Auflagen zu forschen.

Dem Vorwurf der Hamburger Biologin Regine Kollek, damit wurde der "ethische Rubikon" uberschritten, entgegnete Wiestler mit dem Hinweis: "Wir brechen hundertausendfach Schwangerschaften ab - in diesem Punkt ist der Rubikon langst viele Meilen uberschritten." Daubler-Gmelin betonte, die Wissenschaft musse "sorgfaltig mit rechtlichen und ethischen Bedenken" umgehen.

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Merkel warnt vor "Embryonenverbrauch" - aber fur "Ethik des Heilens"

Frankfurt/Main (dpa), 16.6.2001 - Vor dem "Verbrauch" von Embryonen zu Forschungszwecken hat die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel gewarnt. Gleichzeitig mahnte die Politikerin, die Gentechnik-Debatte nicht zu radikal zu fuhren. Man musse auch uber eine "Ethik des Heilens" nachdenken, sagte Merkel am Samstagmorgen bei einer Bibelarbeit zum Evangelischen Kirchentag in Frankfurt. Dem NRW- Ministerprasidenten Wolfgang Clement (SPD) warf sie vor, mit seinem Eintreten fur den Import embryonaler Stammzellen "unnotigen Druck" zu erzeugen.

Der Mensch habe auch von Gott den Auftrag, Leiden zu lindern, sagte die CDU-Politikerin. Das Helfenwollen habe nur da seine Grenze, wo in das Leben anderer eingegriffen werde: "Das durfen wir nicht!" Im Einzelfall sei die Abwagung allerdings sehr schwierig, etwa wenn das Leben eines geliebten Menschen auf dem Spiel stehe. So konne es zwar sein, dass die umstrittene Praimplantationsdiagnostik (PID) ein Dammbruch sei, aber "wenn sich alles in der eigenen Familie abspielt, kann die Abwagung auch schwierig werden", sagte Merkel unter dem Beifall mehrerer hundert Zuhorer. Dennoch mussten Christen das Menschsein so verstehen, dass es viele Dinge gibt, die "wir weder erklaren konnen noch erklaren sollen oder durfen".

Dem nordrhein-westfalischen Ministerprasidenten Clement warf Merkel vor, voreilig zu handeln. Man durfe keine "Fakten schaffen durch die Hintertur". Die Moglichkeit, embryonale Stammzellen, die in Deutschland nicht zu Forschungszwecken erzeugt werden durfen, aus dem Ausland zu importieren, basiere auf einer Gesetzeslucke, die 1990 nicht abzusehen war, sagte Merkel. Eine Entscheidung uber die Nutzung solcher Zellen gehore ins Parlament.

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Die ZEIT, Nr. 24, 7.6.2001

Im Land der Kindermacher

Wo ein Wille zum Baby ist, ist auch ein Weg. Amerika führt vor, was eugenische Raffinesse ist. Elitestudentinnen als Eizellen-Verkäuferinnen, Tote als Samenspender - Reise durch die Fortpflanzungsfabriken Kaliforniens

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Berliner Zeitung, 15. Juni 2001 (Reuters)

DFG verschiebt Entscheidung zu Stammzell-Projekt Beschluss über Fördermittel möglicherweise im Herbst

BONN/BERLIN, 14. Juni. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) will nach Angaben ihres Präsidenten die Entscheidung über das umstrittene Bonner Stammzellen-Projekt verschieben. "Das Präsidium der Deutschen Forschungsgemeinschaft wird dem Hauptausschuss, der hier entscheidet, vorschlagen, das von der Tagesordnung abzusetzen", sagte DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker am Donnerstag. Ursprünglich wollte die DFG ihre Entscheidung am 3. Juli treffen. Nach Angaben der nordrhein-westfälischen Grünen soll der Beschluss nun im Oktober erfolgen.

Entschieden werden muss über einen Antrag auf Fördermittel für ein Projekt von Bonner Wissenschaftlern, die embryonale Stammzellen aus Israel importieren und daran Nervenkrankheiten erforschen wollen. Die Herstellung solcher Stammzellen ist in Deutschland verboten, weil dabei Embryos getötet werden. Die Einfuhr und die Forschung an den Zellen sind dagegen nicht ausdrücklich verboten. Die Unterstützung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) für das Projekt hatte eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Winnacker begründete den Schritt der DFG damit, dass eine frühe Entscheidung "unangemessen" sei, da von vielen Seiten Aufforderungen zur Verschiebung kämen. Über ethische Grundsätze habe die DFG nicht zu entscheiden. Hier sei die Politik gefordert.

SPD, Grüne und Union hatten die DFG aufgefordert, einen für die nächste Wahlperiode geplanten Bundestags-Beschluss abzuwarten. Durch einen frühen Beschluss werde die als offen geplante Diskussion über Gentechnik in eine bestimmte Richtung gelenkt. (dpa, Reuters)

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Die Welt, 12.6.2001

"Zweckdenken widerspricht der Würde des Menschen"

Der EKD-Ratsvorsitzende Kock lobt die Bioethik-Debatte - "Leben beginnt mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle"

Bonn - Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der rheinische Präses Manfred Kock, sieht in den Standpunkten der Kirchen zur Bioethik einen großen Konsens. Mit Präses Kock sprach Gernot Facius.

DIE WELT: Wir erleben eine auf hohem Niveau geführte Debatte über Leben und Tod. Das muss doch einen Kirchenmann erfreuen. Sind Sie froh?

Manfred Kock: Ja. Ich bin auch froh darüber, dass diese Debatte immer wieder auf den entscheidenden Punkt stößt: Wann beginnt Leben? Wann muss man von seiner Würde sprechen? Dass hier nachgedacht wird, dass nicht einfach herumexperimentiert wird, finde ich sehr erfreulich.

DIE WELT: Herrscht denn wirklich Einigkeit in der Frage, wann Leben beginnt?

Kock: Nein. In der Gesellschaft selbst nicht. In den Kirchen wohl. Sie sind überzeugt, dass menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt, weil dann der Plan angelegt ist für den Menschen, seine Individualität. Es gibt Positionen, die einen anderen Beginn ansetzen, ihn zum Beispiel vom Bewusstsein abhängig machen, und die deshalb von einer abgestuften Würde sprechen. Mit dieser Meinung kämen wir allerdings auf ein gefährliches Feld. Denn dann würde Leben von einem Zweckmäßigkeits- und Verwertbarkeitsdenken her definiert. Das widerspräche eindeutig der Würde des Menschen.

DIE WELT: Gibt es in den evangelischen Kirchen tatsächlich einen Konsens in diesen Fragen?

Kock: Es gibt natürlich Schattierungen. Aber es gibt große Einigkeit in den Leitungen der verfassten Kirchen. Unter Ethikprofessoren kommen auch andere Meinungen zum Ausdruck. Das zeigt, dass die Diskussion noch nicht abgeschlossen ist.

DIE WELT: Wäre es nicht an der Zeit, das Problem der Spätabtreibungen noch einmal zu thematisieren?

Kock: Das halte ich für dringend erforderlich. Der Paragraf 218 hat da eine Lücke gelassen. Wir haben, wie die Praxis ergeben hat, heute faktisch eine Selektion von Leben. Gelingt es, die pränatale Diagnostik auf ein vertretbares Maß zu beschränken? Das ist die Frage, die uns umtreiben sollte.

DIE WELT: Was würden Sie sagen, wenn die Forderung erhoben würde, die gesamte 218-Problematik noch einmal aufzurollen?

Kock: Es muss nicht unser Interesse sein, einen mühsam gefundenen Kompromiss, der mit der Pflichtberatung immerhin einen hohen Lebensschutzstandard ermöglicht, infrage zu stellen. Wir kämen in eine Diskussion hinein, bei der am Ende die Sache ja nicht besser würde. Zwar ist das Problembewusstsein für den Lebensschutz gewachsen, aber es hat durchaus auch die Zahl derer zugenommen, die meinen, dass werdendes Leben etwas ist, das man ablehnen kann, wenn sich bei Untersuchungen ein Behinderungsrisiko zeigt.

DIE WELT: Themenwechsel. Der Kirchentag hat mit seiner umstrittenen Liturgie für das Feierabendmahl negative Schlagzeilen produziert. Natürlich handelt es sich nicht um eine offizielle Veranstaltung der EKD, aber in der Öffentlichkeit wird sie mit der EKD identifiziert. Wie kommen Sie aus diesem Dilemma heraus?

Kock: Das Kirchentagspräsidium hat selbst entdeckt, dass hier Grenzen überschritten wurden und es zu einer nicht mehr erträglichen Liturgieveränderung gekommen ist; diese Teile der Liturgie wurden nun faktisch zurückgezogen. Das wird hoffentlich den Schaden begrenzen. Grundsätzlich gilt, dass sich auf einer Veranstaltung wie dem Kirchentag evangelische Freiheit entfalten kann. Auf dem Markt der Möglichkeiten muss nicht jeder Stand, jeder Slogan sanktioniert werden. Dort, wo es um zentrale Fragen des Glaubens geht, müssen gegebenenfalls Grenzen gezogen werden.

DIE WELT: Und die waren für Frankfurt am Main nicht mehr erkennbar?

Kock: Zunächst einmal: Das Wiederaufleben der evangelischen Abendmahlsfrömmigkeit hat gerade dem Kirchentag viel zu verdanken. Wo früher vielleicht zwei Mal im Jahr - und dann noch im Anschluss an den Gottesdienst, nach dem Weggang vieler Kirchenmitglieder - das Abendmahl gereicht wurde, ist es jetzt in fast allen Gemeinden voll in die Gottesdienstfeier integriert. Das Feierabendmahl auf dem Kirchentag bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten. Daraus darf aber nicht geschlossen werden, das eigentliche Abendmahl mit seinen überlieferten Einsetzungsworten als das zentrale Ereignis könne herausgelöst werden. Für Frankfurt bestand in der Tat die Gefahr, dass sich das Feierabendmahl zu sehr zu einem kommunikativen Ereignis verselbstständigen würde. Wir haben als evangelische Christen auf eine würdige Feier des Sakraments zu achten und sollten alles vermeiden, was dies in Frage stellt - auch im Hinblick auf unsere ökumenischen Partner.

DIE WELT: Für 2003 ist der erste Ökumenische Kirchentag in Berlin geplant. Wäre es nicht realistischer, es würde wegen vieler unausgeräumter Differenzen zunächst einmal je einen katholischen und einen evangelischen Ökumenischen Kirchentag geben?

Kock: Nein. Ich bedauere die jüngsten Irritationen auf katholischer Seite, und ich hoffe, dass sie durch die Klarstellungen, auch durch die Entschiedenheit der Stellungnahmen der evangelischen Kirchenleitungen in der Abendmahlsfrage, abklingen werden. Was ich aber auf jeden Fall erwarte, ist, dass wir nicht durch die Forderung nach einem gemeinsamen Abendmahl etwas aufs Spiel setzen, was wir ohne den Ökumenischen Kirchentag nicht hätten: nämlich uns gemeinsam zu Wertefragen unserer Zeit zu äußern. Bei aller verständlichen Sehnsucht nach dem gemeinsamen Abendmahl sollte man auch erkennen: Zur Ökumene gehört nicht nur, dass man etwas gemeinsam tut, sondern auch zu verstehen, warum die andere Seite etwas nicht oder noch nicht kann. Ökumenische Partner sollten einander nicht bedrängen.

DIE WELT: Schmerzt es Sie nicht, dass bis dato keine ökumenische Stellungnahme zu den Fragen der Gentechnik und Biomedizin zu Stande gekommen ist?

Kock: Das schmerzt mich deshalb nicht, weil wir uns bisher in diesen Fragen zwar nicht gleichzeitig, aber doch stets kongruent geäußert haben. Was wir aber vermutlich in Kürze machen werden: ein gemeinsames Wort zur Sterbebegleitung und zur aktiven Sterbehilfe sagen. In solchen Fragen ist Gemeinsamkeit keine Illusion.

DIE WELT: Herrscht in den großen ökumenischen Fragen momentan Stillstand?

Kock: Stillstand? Nein. Aber realistische Nüchternheit und ein Vorwärtsschreiten im Blick auf eine Fülle von Fragen, die wir gemeinsam lösen können. Realismus, weil das Verständnis von Kirche unter den ökumenischen Partnern noch strittig ist.

DIE WELT: Zu den möglicherweise "machbaren" Dingen gehört die Anerkennung ökumenischer Sonntagsgottesdienste - in einem konfessionsverschiedenen Land eine wichtige Frage. Wird die Deutsche Bischofskonferenz so souverän agieren können, dass es Fortschritte gibt, oder wird sie sich hinter Rom verschanzen müssen?

Kock: Die Bischofskonferenz versteht ihre Identität in der Loyalität zu Rom. Insofern wird sie eine Lösung nicht verlangen, die sich nur auf die deutsche Situation bezieht. Die Frage der Sonntagsgottesdienste berührt wieder das Abendmahlsverständnis. Es gibt zwar inhaltlich keinen großen Dissens. Aber es gibt im Blick auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen das Abendmahl gültig gefeiert wird, Unterschiede. Die katholische Kirche bindet diese Feier an das Priesteramt. Das wird bei uns anders gesehen. Und eine weitere katholische Voraussetzung ist die Übereinstimmung im Kirchesein. Wir hingegen sagen: Das Abendmahl konstituiert Kirche. Ich bin gespannt, wie der Dialog weitergehen wird. Ich bin da im Blick auf die Sonntagsgottesdienste nicht völlig hoffnungslos. Was man allerdings nicht machen kann, ist, Katholiken zu sagen: "Seid euren Bischöfen ungehorsam."

DIE WELT: Aber Sie unterschätzen die Probleme konfessionsverschiedener Familien nicht?

Kock: Keineswegs. Gerade in der Seelsorge sind die Probleme oft sehr kompliziert. Da besteht großer Nachholbedarf. Und deshalb habe ich die Hoffnung, dass auch die andere Seite die Herausforderung erkennt und es nicht allzu lange dauern wird, bis wir zu einer Verständigung kommen.

DIE WELT: Woher nehmen Sie diese Hoffnung?

Kock: Aus den Papieren, die ich lese und aus den Diskussionen, die wir führen.

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Ethik-Kongreß 2002 im Oktober Informationen über die Zielsetzung:des Kongresses 1998 über: Rudolf-Steiner-Buchhandlung, Rothenbaumchaussee 103, 20148 Hamburg, Tel: 040 - 44 24 11, Fax: 040 - 410 75 26

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www.die-tagespost.com

Die Tagespost - 16.06.2001

"Auch wirtschaftliche Interessen, die zu einer industriellen Verwertung und Nutzung des Menschen führen können"

Embryonale Stammzellen aus Israel: Im Wortlaut ein Schreiben Kardinal Meisners im Namen der nordrhein-westfälischen Bischöfe an Ministerpräsident Clement

Im Namen aller fünf nordrhein-westfälischen Bischöfe hat der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) in einem Schreiben aufgefordert, eine Lieferung menschlicher Stammzellen aus Israel an Forscher der Universität Bonn nicht weiter zu unterstützen. Unabhängig davon hatte Clement in Briefen an den Kölner Kardinal Joachim Meisner, den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sowie den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock, sein Interesse an einem Gespräch zwischen ihm, den Bonner Wissenschaftlern und den Kirchen bekundet. Nach einer dreistündigen Debatte in der Düsseldorfer Landtags-Fraktion der SPD am Dienstag über den Vorstoß Clements zur Forschung mit embryonalen Stammzellen erklärte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident zur Kritik der katholischen Bischöfe an seiner Haltung, dass er diese Stellung- nahmen von so "wichtigen Leuten" sehr ernst nehme, aber sie seien nicht "die Kirche". Der Ministerpräsident kündigte vertrauliche Gespräche mit den Bischöfen an. Ein Gespräch sei bereits terminiert. Das Erzbistum Köln bestätigte auf Anfrage, dass es zu einem Treffen von Meisner und Clement kommen werde. Im folgenden veröffentlichen wir den am vergangenen Montag bekannt gemachten Brief Kardinal Meisners an Ministerpräsident Clemert im vollständigen Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

nachdem ich mich bereits persönlich öffentlich zu Ihren Aktivitäten in Israel und Ihrem Vorhaben geäußert habe, die Forschung an embryonalen Stammzellen an der Universität Bonn zu unterstützen und zu fördern, schreibe ich Ihnen diesen Brief auch im Namen des Herrn Johannes Joachim Kardinal Degenhardt, Erzbischof von Paderborn und der Herren Bischöfe Dr. Reinhard Lettmann, Bischof von Münster, Dr. Hubert Luthe, Bischof von Essen und Dr. Heinrich Mussinghoff, Bischof von Aachen.

Wir bringen unsere tiefe Besorgnis zum Ausdruck über den beabsichtigten Transfer embryonaler Stammzellen nach Deutschland und der sich daran anschließenden Forschung an der Universität Bonn.

Durch die neue Erkenntnis in der Gentechnik, insbesondere der Humangenetik und der Biomedizin wird menschliches Leben in einem neuen Licht betrachtet. In der Bundesrepublik Deutschland steht das Jahr 2001 unter dem Motto "Jahr der Lebenswissenschaften". Alle gesellschaftlichen Kräfte sind in diesem Jahr besonders dazu aufgerufen, über die Eigenart und die Auswirkungen dieser Wissenschaften nachzudenken. Die Lebenswissenschaften erwecken viele Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen. Sie werden unser Wissen über den Menschen erweitern. Man hofft auf neue Möglichkeiten, schwere Erkrankungen zu diagnostizieren, zu heilen oder ihre Auswirkungen zu lindern. Neue Erkenntnisse erfordern aber die Prüfung, ob deren Nutzung ethisch verantwortet werden kann. Schon bislang haben Naturwissenschaft und Technik in den Augen vieler Menschen ihren Verheißungsglanz und ihre moralische Unschuld eingebüßt.

Wir Bischöfe in Nordrhein-Westfalen greifen diese Diskussion zusammen mit allen Bischöfen der Deutschen Bischofskonferenz auf, weil uns die Anfragen, die uns erreichen, zeigen, dass viele Menschen verunsichert sind und vom christlichen Glauben Orientierung erwarten.

Menschliches Leben ist heilig und steht weder an seinem Anfang noch an seinem Ende zur Disposition.

Wir rechnen damit, dass die Möglichkeiten der Lebenswissenschaften an den Grundwerten unserer Gesellschaft rütteln. Unerlässlich ist es deswegen, sich umfassend mit den neuen Erkenntnissen und ihren Auswirkungen vertraut zu machen. Auch die für ihre Nutzung sich ergebenden Grenzen sind aufzuzeigen und zu diskutieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die durch die neuen Lebenswissenschaften eröffneten neuen Möglichkeiten zum ganzheitlichen Wohl des Menschen genutzt werden können und wie ihr Missbrauch wirksam verhindert werden kann.

Nach jüdisch-christlichem Glauben hat Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen. Das Leben des Menschen ist somit mehr als eine beliebige biologische Tatsache. Und das Leben des Menschen ist auch mehr als eine Sache, mit der man willkürlich verfahren kann. Weil Gott den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat, ist sein Leben heilig. Das Leben ist der Verfügbarkeit des Menschen entzogen.

Weil der Mensch kein Zufallsprodukt ist und weil er sich auch nicht selbst gemacht hat, existiert er nicht in absoluter Autonomie. Als endliches Geschöpf kann er weder sich selbst, noch Sinn und Wert seines Lebens garantieren. Er lebt innerhalb vorgegebener Grenzen, die er nicht überschreiten darf.

In der Gottesebenbildlichkeit des Menschen gründet auch seine Würde. Sie besagt, dass er im Voraus zu all seinen Leistungen, zu all seinen Fähigkeiten und Unfähigkeiten von Gott bedingungslos geliebt und bejaht ist. Die Menschenwürde ist daher unantastbar und kommt allen Menschen zu, unabhängig von der Einschätzung anderer oder ihrer Selbsteinschätzung, den Geborenen und Ungeborenen, den Gesunden und Kranken, den Behinderten und Sterbenden. Wir Christen glauben, dass Gott den Wert und die Sinnhaftigkeit eines jeden menschlichen Lebewesens garantiert. Welchen Wert und Sinn das Leben hat, kann sich der Mensch nur von Gott sagen lassen und glaubend annehmen" Krankheit und Behinderung, Leiden und Sterben sind bei allem Schmerz kein sinnloses Schicksal, sondern können im Glauben an die Auferstehung und in der Hoffnung auf Erlösung als Teil unseres Lebens erfahren und angenommen werden.

Bisher finden Gentests vor allem bei der pränatalen Diagnostik Anwendung. Eine neue Anwendungsform der genetischen Diagnostik ist die Präimplantationsdiagnostik. Mit ihr wird ein im Reagenzglas erzeugter Embryo, dessen Existenz als Mensch mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt, auf seine erbliche Belastung hin überprüft. Nur wenn der Embryo als unbelastet getestet worden ist, wird er anschließend in die Gebärmutter der Frau übertragen. Im Fall einer Belastung wird er vernichtet. Die Präimplantationsdiagnostik ist gegenüber der Pränataldiagnostik von ganz anderer ethischer Qualität. Sie ist in jeder Hinsicht und von vornherein auf Selektion von menschlichem Leben ausgerichtet und daher ist aus ethischer Sicht entschieden zu widersprechen. Sie muss daher in Deutschland auch weiterhin verboten bleiben. Das Gleiche gilt für die Forschung an embryonalen Stammzellen.

Das Nachdenken über den Menschen selbst darf in einem gesellschaftlichen Diskurs über die Präimplantationsdiagnostik nicht zu kurz kommen. Es muss überdies deutlich werden, dass ökonomische oder wissenschaftliche Gründe nicht hinreichen, um ethisch nicht vertretbarer Forschung oder ethisch problematischen Verfahren zum Durchbruch zu verhelfen. Hinter manchen Forschungen und Entwicklungen verbergen sich zuweilen auch wirtschaftliche Interessen, die zu einer industriellen Verwertung und Nutzung des Menschen führen können.

Wir Bischöfe in Nordrhein-Westfalen fordern Sie dringend auf, von Ihrem Vorhaben abzurücken, den Transfer von embryonalen Stammzellen aus Israel nach Bonn ideell zu unterstützen und finanziell durch das Land Nordrhein-Westfalen fördern zu lassen. Wir bieten Ihnen an, mit uns ein Gespräch über unsere Befürchtungen zu Präimplantationsdiagnostik zu führen und darüber in einen ständigen Dialog einzutreten.

Anschließend möchten wir es nicht versäumen, Sie darüber zu informieren, dass wir beabsichtigen, den wesentlichen Inhalt dieses Schreibens in einer Presseinformation zusammenzufassen und in den nächsten Tagen zu veröffentlichen. Wir hoffen auf ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Joachim Kardinal Meisner,

Erzbischof von Köln

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China will eine Kenzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel einführen. Die Presseerklärung von Greenpace International ist zu erhalten bei:

Dr. Christoph Then Tel 0171 8780832

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(C)dpa

051649 Jun 01

Deutschland stoppt Zulassung von gentechnisch verandertem Mais

Berlin (dpa) - Die deutsche Agrarministerin Renate Kunast hat die Entscheidung uber die Zulassung der gentechnisch veranderten Mais-Sorte Artuis vorerst gestoppt.

Der zustandige Ausschuss werde nicht an diesem Donnerstag uber die Zulassung der Mais-Sorte entscheiden, erklarte die grune Ministerin am Dienstag in Berlin. Die Zulassung durfe "nicht ubereilt erfolgen".

Die Prufungen des Ministeriums und der nachgeordneten Behorden seien noch nicht abgeschlossen. Deshalb werde die Sitzung des Bundessortenausschusses verschoben. Wann uber die Zulassung der Mais-Sorte entschieden werden konne, sei noch offen.

Umweltschutzer hatten erhebliche Bedenken gegen eine unbegrenzte Freigabe der gentechnisch veranderten Sorte angemeldet. Die moglichen Auswirkungen seien nicht gepruft worden.

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- PID löst Grundkonflikt nicht

Berlin, den 31. Mai 2001 187/01

Mitteilung für die Presse

Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF): PID löst Grundkonflikt nicht

Anlässlich der Bundestagsdebatte über Fragen der Gentechnik ist der Bundesausschuss der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) mehrheitlich zu folgender Auffassung gekommen:

Die Frage, ob in Deutschland zusätzlich zur bereits praktizierten Pränataldiagnostik (PND) auch die Pränatalimplantationsdiagnostik (PID) zugelassen werden soll, ist am Ende eines von einer Anhörung einschlägiger Expertinnen und Experten unterschiedlicher Positionen begleiteten schwierigen Meinungsbildungsprozesses mehrheitlich abschlägig beschieden worden, da die Mehrheit der im ASF-Bundesausschuss versammelten Vertreterinnen der Bezirke und Landesverbände die Risiken und Gefahren vor allem im Hinblick auf die gesellschaftlichen Konsequenzen höher einschätzt als den tatsächlich zu erreichenden Nutzen.

Die SPD-Frauen verkennen nicht die individuelle Not von Frauen und Paaren, die sich ein leibliches Kind wünschen, aber die Anlage zu einer schweren Behinderung oder Erbkrankheit befürchten und sich damit auseinandersetzen müssen, ob sie dem physisch, psychisch und von ihrem familiären Umfeld her gewachsen sind. Das gilt zweifellos ebenso für die Inanspruchnahme von PND, die betroffene Frauen bzw. Paare vor die

Entscheidung zu einem Schwangerschaftsabbruch im Spätstadium stellen und damit in erheblich belastende Konflikte stürzen kann. Daher wird die PID von vielen als die schonendere Methode angesehen, wofür durchaus einiges spricht. Jedoch bleibt der Grundkonflikt, sich in einer psychischen Zwangslage für oder gegen das Austragen einer Schwangerschaft durchringen zu müssen, durch die Entscheidung für eine bestimmte andere Methoden im Kern unlösbar.

Mit dieser Entscheidung stehen Frauen und Paare letztlich immer allein. Aber auch wenn ihnen diese niemand abnehmen kann, muss ihnen gleichwohl bestmögliche Beratungshilfe zugänglich sein. Daran hapert es sowohl in der regionalen Dichte als auch an der Qualifikation der Beratungsangebote, die sich nicht auf die (reproduktions-) medizinischen Aspekte beschränken darf, sondern auch - in ergebnisoffener Weise - ethische, psychologische, soziale und rechtliche Komponenten vorhalten muss. Hier steht die Politik in der Pflicht, erhebliche Verbesserungen und Ausweitungen vorzunehmen. Eine Zwangsberatung lehnen die SPD-Frauen nachdrücklich ab, jedoch halten sie es für unerlässlich, dass Ärzte und Ärztinnen in Praxen oder Krankenhäusern rechtlich verpflichtet werden, die betroffenen Frauen und Paare konkret auf möglichst wohnortnahe Beratungsangebote hinzuweisen.

Die ASF sieht sich nicht in der Lage und auch nicht in der Notwendigkeit, über den Status des Embryo definitiv zu befinden, da dies nicht wissenschaftlich festzulegen, sondern stark weltanschaulich geprägt ist. Außer Frage steht, dass die befruchtete Eizelle beginnendes menschliches Leben darstellt und unter Wahrung des grundgesetzlich garantierten Schutzes der Menschenwürde nicht beliebig instrumentalisiert werden kann und darf.

Einvernehmlich lehnt der ASF-Bundesausschuss daher eine Öffnung des Embryonenschutzgesetzes ab. Auch dürfen Standortgesichtspunkte nicht ausschlaggebend sein für politische Entscheidungen, die gesellschaftspolitischen Sprengstoff enthalten und die Folgen für die

Menschen in moralischer, ethischer, letztlich auch individueller Hinsicht nicht übersehen lässt.

PID kann wie PND Krankheiten nicht heilen, sondern nur Aufschluss geben über mögliche Risiken. PND gibt Frauen bzw. Paaren heute schon die Möglichkeit, gegen die Fortsetzung einer Schwangerschaft zu entscheiden. Das ist in Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts zu respektieren.

Das Bestreben, den Entscheidungsspielraum durch eine technische Methode außerhalb des Mutterleibes zu erweitern, lässt bei Behinderten und ihren Interessensvertretungen die begründete Furcht wachsen, wieder vermehrt ins gesellschaftliche Abseits zu gleiten. Zweifellos haben die Bemühungen zur Integration von Menschen mit Behinderungen gerade in letzter Zeit erhebliche Verbesserungen bewirkt, aber es bleibt noch viel zu tun. Nicht wenige sind seit jeher mehr besorgt um das vorgeburtliche Leben als um das geborene Kind und die Familie, in die es hineingeboren wird. Es gehört zu den humanitären Pflichten einer menschlichen Gesellschaft, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Eltern erleichtert, ein krankes oder behindertes Kind zu akzeptieren, indem die notwendige materielle und soziale Hilfe gewährleistet wird.

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- Im Rachen Neptuns: Abtreibung auf hoher See

London, 7.6.2001 (ALfA). Ein hollaendisches Abtreibungsschiff soll Frauen auf hoher See die Toetung ihrer Kinder ermoeglichen. Der Frachter namens "Sea Change" gehoert der Amsterdamer Stiftung "Women on Waves", die von Rebecca Gomperts, einer ehemaligen Schiffsaerztin von Greenpeace, geleitet wird. "Als Aerztin und Frau kann ich nicht tatenlos herumstehen und das sinnlose Leid der Frauen akzeptieren", sagte die 35jaehrige Gomperts der britischen Tageszeitung "The Times". Auf dem "Abtreibungsschiff" hat sie ein Wartezimmer und einen Operationsraum eingerichtet. Taeglich koennen bis zu 20 Abtreibungen vorgenommen werden. Sobald sich Interessentinnen melden, will Gomperts mit ihnen 20 Kilometer weit aufs Meer in internationale Gewaesser fahren und dort die Abtreibung ausfuehren. Erster Zielhafen des Abtreibungsschiffes ist Dublin. Abtreibungsgegner haben die Regierung zum Eingreifen aufgefordert. Die unabhaengige Parlamentsabgeordnete Mildred Fox verlangte die Verhaftung der Abtreibungsaktivistin. "Man fragt sich doch, was als naechstes kommt", sagte Fox der Times. "Bekommen wir dann ein Schiff aus den Niederlanden, das 20 Kilometer vor der Kueste Drogen verkauft oder Sterbehilfe ausfuehrt?" Abtreibung ist in Irland bis auf einige Sonderfaelle verboten. Laut Gomperts weichen deshalb jedes Jahr etwa rund 6000 Frauen nach Grossbritannien aus.

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- Volksabstimmung

Die Initiative Mehr Demokratie e.V., Berlin, rollt mit Infobussen so lange durch Deutschland, bis die Volksabstimmung eingeführt ist. Weitere Informationen unter: www.volksabstimmung.org oder Mehr Demokratie e.V., Greifswalder str. 4, 10405 Berlin. Tel: 030 - 420 823 70, Fax: 030 - 420 823 80, e-m: info@mehr-demokratie.de.

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- Nationale Ethikrat Die Interessengemeinschaft Kritische Bioethik Bayern, unter http://www.bioethik-bayern.de in der Rubrik PRESSE bietet eine Sonderseite an zum Nationalen Ethikrat. Ab sofort gibt es unter http://www.nationaler-ethikrat.de die versprochenen Portraits zu den Mitgliedern mit umfangreichem Hintergrundmaterial, die neuesten Meldungen zum Ethikrat und vieles mehr.

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Kontaktadressen des ,Arbeitskreis Bioethik Braunschweig': Martin Vogt, Gerstaecker Straße 23, 38102 Braunschweig, Tel + Fax: 0531 79 44 74, Angelika Wessel, Wedderkopsweg 4, 38118 Braunschweig, Tel + Fax: 0531 50 65 15

Bankverbindung: Postbank Hannover, Konto 3539 26-308, BLZ 250 100 30 - Angelika Wessel Stichwort: ,Arbeitskreis Bioethik Braunschweig', Spenden werden erbeten.


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