Rundbrief April 2001
- Ethikrat
- Sterbehilfe
- Buchtip
- Bundesärztekammer
- Ethikkommission in Bayern geplant
- Im Westen töten wir anders
- Embryonen
- Interview mit Herrn Sloterdijk
- Kirchen beziehen Stellung
- Erzbistum Köln bietet
- Neues Personal im Gesundheitsministerium
- Genmanipulierte Fische
- Bürgerkonferenz zur Gendiagnostik
- Andrea Fischer und Margot v. Renesse
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist uns bewußt, dass diese monatlichen Informationen seeehr lang ausfallen. Daher bitten wir Sie, daß Sie die Texte/Seiten weitergeben an Freunde, den Lehrer Ihrer Kinder, Nachbarn, den Kaufmann oder Hausarzt, die sonst Ihren Papierkorb verstopfen.
Unsere Bankverbindung: Postbank Hannover, Konto 3539 26-308, BLZ 250 100 30 - Angelika Wessel, Stichwort: ,Arbeitskreis Bioethik Braunschweig'
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VORSCHAU
Vorausschau, Voraus-Blick, Tagungen, Vorträge, Kongresse zusammengestellt vom
Arbeitskreis Bioethik Braunschweig
April 2001 4. April Betreuungsgruppen und Laienhilfe zur Entlastung pflegender Angehöriger. Veranstalter Alzheimer Gesellschaft e.V., Seniorenzentrum Rosenäckern, In den Rosenäckern 11, 38116 Braunschweig, 19.00 Uhr - 20.30 Uhr
6. und 7. April Schoene neue Welt - Perfektion oder Perversion? Der Mensch als Optimierungsprojekt - Zukunftsszenario, Dr. Michael Wunder. Mennnschenwuerde und Menschenbild angesichts praenataler Selektion - Prof. Ernst Luther u. a. Heilsversprechen oder Selektrionspraxis aus der Sicht behinderter Menschen, Prof. H. Meyer. Zum Einfluss der Medien auf die gesellschaftliche Meinung - Die Darstellung der Embryoselektion im deutschen Film. Traditionslinien der Selektion von Menschen in Deutschland, Dr. Ute Hoffmann. Veranstalter: Kultur- und Bildungsverein Elbe-Saale e.V., Gesellschaft fuer christlich-marxistischen Dialog sowie Humanistischer Verband. Ort: Gedenkstaette fuer die Opfer der NS-"Euthanasie" Bernburg, Fachkrankenhaus fuer Psychiatrie und Neurologie, Olga-Benario-Strasse 16/18, Tel und Fax: 03471 - 31 98 16.
9. April Buddhistische Sterbebegleitung - Theorie und Praxis der Sterbebegleitung und Sterbevorbereitung. Frau Dipl.-Psych. Henrike Jelpke. 17.30 Uhr, Ort: Hospizarbeit Braunschweig e. V., Hohetorwall 1A, Braunschweig
10. und 24. April, 19.00 - 20.30 Uhr Behinderung und weibliche Sexualitaet - Gespraechsgruppe fuer Frauen mit Behinderungen. Veranstaltungsort: Pro Familia, Auf der Koernerwiese 5, 60322 Frankfurt. Anmeldung: CeBeef, Andrea Plumpe, Tel: 069 - 979877-22 (10.00 - 14.00 Uhr)
Unter dem Motto "Fuer eine Kultur des Lebens", bietet die "Jugend fuer das Leben" der Aktion Lebensrecht fuer Alle e.V. (ALfA) interessierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen vom 20. bis 22. April 2001 in Augsburg ein Wochenendseminar als Grundkurs zum Themenkomplex Lebensrecht an. Das Programm sieht u.a. folgende Vortraege vor:
"Abtreibung aus Sicht von Medizin und Ethik" Referentin: Dr. med. Claudia Kaminski, Bundesvorsitzende der ALfA
"Abtreibung in Deutschland und Lebensrechtsstrategien" Referent: Bernward Buechner, Richter und Vorsitzender der Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V.
"Lebensrecht in Europa" Referentin: Gudrun Lang, Europaeische Jugendallianz
"Bioethik ohne Grenzen - Lebensschutz und Menschenwuerde in der Biomedizin" Referent: Rainer Beckmann, Richter, Mitglied Enquete-Kommission "Recht und Ethik in der modernen Medizin" des Deutschen Bundestags
"Kippt der Generationenvertrag? Plaedoyer fuer eine gerechte Familienpolitik" Referent: Stefan Brandmaier
"Evangelium vitae - umfassende Darstellung der Lehre der Kirche" Referent: Dr. theol. Peter Christoph Dueren
Die Kosten fuer Seminar, Unterkunft und Verpflegung betragen 150,- Mark. Schueler und Studenten erhalten Ermaessigungen. Naehere Informationen und Anmeldung bei: Stefan Brandmaier, Buschingstr. 69, 81677 Muenchen, Tel: 089-99929944, Fax: 089-99929945, E-mail: Stefan.Brandmaier@t-online.de
26. bis 28. April Das 13. Symposium "GENial? - Der Mensch von Morgen" veranstaltet der Heidelberger Club für Wirtschaft und Kultur e.V.. Die Schirmherrschaft hat Andrea Fischer übernommen. Etwa 50 Referenten aus Wisenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutieren rund um das Thema Gentechnik. Die Podiumsdiskussionen, Vorträge und Kolloquien finden in den Räumen der Universität Heidelberg statt. Als Referenten haben u. a. zugesagt: Prof. Dr. Dr. h.c. Beyreuther (Direktor des Zentrums für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg), Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach (CED Lion Bioscience), Dr. Reinhard Breuer (Chefredakteur "Spektrum der Wissenschaft "), Jutta Ditfurth (freie Journalistin und Autorin), Dr. Ingo Kober (Präsident des europ. Patentamtes), Prof. Dr. Magnus von Knebel Doeberitz (Leiter der Abt. für Molekulardiagnostik an der Universität Heidelberg), Prod. Dr. Hans Lehrach (Koordinator des dt. Human Genom Projects und Direktor am MPI für Molekulare Genetik in Berlin), Dr. Christoph Then (Grentechnik-Experte bei Greenpeace). Information: Heidelberger Club für Wirtschaft und Kultur e.V., c/o ABB Stotz-Kontakt GmbH, Eppelheimer Straße 82, 69123 Heidelberg, Tel: 06221 - 701 383, Fax: 06221 - 701 331, e-Mail: info@hcwk.de, www.hcwk.de
20.12.2000 bis 12.8.2001 Der (im-)perfekte Mensch. Ausstellung im Deutschen Hygiene Museum in Dresden. Zusammen mit der Aktion Mensch e.V. stellt die Ausstellung Fragen auf wie zum Beispiel, wie (im-)perfekt Menschen in einer Umgebung leben koennen, die sich der Perfektionierung des Lebens verschrieben haben? Wie lebt umgekehrt die sich ihrer Normalitaet gewisse Mitwelt mit dem (Im-)perfekt-Sein des anderen? Weitere Informationen: Stiftung Deutsches Hygiene Musem, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Tel: 0351-4846 304, Fax: 0351-4846-58, www.imperfekt.de
2001 - Das Jahr der Lebenswissenschaften. Bundesministerium fuer Bildung und Forschung zusammen mit ,Wissenschaft im Dialog' bieten Veranstaltungen in Berlin, Leipzig, Köln und in Hamburg Biotechnologietage an. Zusaetzlich sind bundesweit sogenannte ,Satellitenveranstaltungen' geplant.
19. bis 28 April in Leipzig Brennpounkt Koerper: Eigenes und Fremdes Großveranstaltung im Hauptbahnhof mit Science Street (Ausstellerwettbewerb) und Vortraegen, Gespraechsrunden, Theater, Filmfestival
21. + 22. Mai in Hamburg Biotechnologietage Grossveranstaltung im Congress Centrum Hamburg mit Vortraegen, Ausstellung, Gespraechsrunden, Streitgespraechen, Lesungen
7. bis 10. Juni Kosmos Gehirn 2001 Populaerwissenschaftliches Rahmenprogramm zur ,Goettinger Tagung der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft' mit Vortraegen, Ausstellung, Filmprogramm
22. bis 26. Juni in München (Verband Deutscher Biologen, Bdbiol) Wissenschaftslage Life Science Grossveranstaltung im Marienhof und weiteren Institutionen mit Marktständen der Wissenschaft, Diskussionsforen, Vortraegen, Museums- und Institutsfuehrungen
12. bis 17. September in Berlin (Wissenschaft im Dialog, WiD) Grossveranstaltung mit Wissenschaftstreffen, Ausstellungen, Filmfestival, Medienveranstaltungen
29. Oktober bis 8. November in Köln (BMBF) Lebenslinien: Natur in Bewegung Grossveranstaltung im Kongresszentrum Gürzenich mit Science Street (Ausstellerwettbewerb), Vortraegen, Gespraechsrunden, Theater, Filmfestival
25. November bis 1. Dezember in Frankfurt am Main (Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, WGL) Leben ist Vielfalt Veranstaltungen zur Biodiversitaet im Senckenberg-Museum mit Vortraegen, Filmfestival, Lifeschaltungen, Schulveranstaltungen www.lebenswissen.de Kontakt: Bundesministerium fuer Bildung und Forschung, Pressereferat, Berlin Tel: 030 - 285 40 5050, Fax: 030 - 285 40 55 51, email: presse@bmbf.bund.de
Mai 2001 3. Mai 2001 Gentechnik in der Landwirtschaft. Veranstalter: Greenpeace, Ortsgruppe Braunschweig. Ort: Kultur- und Kommunikationszentrum Brunsviga, Studiosaal, Karlstrasse 35, Braunschweig, 20.00 Uhr
4. Mai Workshop: Vorstellung des Projektes "Stell Dir vor, Techno, Hip Hop ... ist verboten, und Du darst nur noch Schlager hoeren - Jugend im Dritten Reich". Ort: Gedenkstaette Bernburg, Oga-Benario-Strasse 16/18, 06406 Bernburg, Tel + Fax: 03471 - 31 98 16, e-Mail: Hoffmann@Gedenkstaette-Bernburg.de
7. bis 10.5. In Wuerde und Frieden sterben. Pfleglicher Umgang - umgaengliche Pflege. Grundkurs fuer Pflegekraefte. Ort: Lutherstift Falkenburg. Anfragen: Zentrum fuer Gesundheitsethik, Knochenhauerstrasse 33, 30159 Hannover, Tel: 0511 - 1241 496, Fax: 0511 - 1241 - 497
Forschen und tun, was wir können? ,Human-Genomprojekt und Ethik' Eine Ringvorlesung an der TU Braunschweig
Themen, ReferentInnen und Daten der Ringvorlesung:
1. "Büchse der Pandora" - Ist das Humangenom-Projekt tatsächlich so gefährlich? (Prof. Dr. Jens Reich; 16. 05. 2001, 20.00 Uhr, Audimax) 2. Gentechnologie am Menschen? Wie können Forscher, Arzt und Patient die Verantwortung tragen? (Prof. Dr. Friedrich Cramer; 30. 05. 2001, 20.00 Uhr, Audimax) 3. Das Genom als Grundlage der medizinischen Biotechnologie (Arbeitstitel. Dr. Helmut Blöcker; 13. 06., 09.00 Uhr, Aula) 4. Der "gläserne" Mensch: Potentiale und Gefahren der genomischen Diagnostik (Arbeitstitel. Prof. Dr. Claus R. Bartram; 13. 06., 11.00 Uhr, Aula) 5. Kommerzielle und patentrechtliche Aspekte der Genomforschung (Prof. Dr. Joseph Strauss; 13. 06., 14.00 Uhr, Aula) 6. Psychologisch und soziologisch beobachtbare und prognostizierbare Konsequenzen gentechnologischer Forschungen für Individuum und Gesellschaft (Prof. Dr. I. Nippert; 13. 06., 16.00 Uhr, Aula) 7. Ungeborene - Behinderte - Kranke - Sterbende: Prüfsteine einer theologischen Ethik medizinischer Gentechnologie (Prof. Dr. Günter Altner; 13. 06. 2001, 20.00 Uhr, Audimax) 8. Das unpolitisierte Politikum der Gentechnologie (Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr, 20. 06. 2001, 20.00 Uhr, Audimax) 9. Die Evolution des Menschen aus molekulargenetischer Sicht (Prof. Dr. Rüdiger Cerff , 27. 06. 2001, 20.00 Uhr, Audimax) 10. Theologische Überlegungen im Anschluß an das Human-Genomprojekt (Arbeitstitel. Prof. Dr. Gottfried Orth, 11. 07. 2001, 20.00 Uhr, Audimax)
Streitgespräche um die Humangenetik sind heute wichtiger denn je. Schlagzeile an Schlagzeile reihen sich Erfolgsmeldungen über die Erforschung des menschlichen Genoms. Die Faszination ist groß. Viele Versprechen werden damit verbunden: Gesundheit, Schönheit, Jugendlichkeit, Planbarkeit und vieles andere, nicht zuletzt steigende Börsenkurse.
Der ethische Diskurs der Humangenetik bleibt dahinter meist zurück. Doch es ist von zukunftsentscheidender Bedeutung, die anthropologischen, kulturtheoretischen und ethischen Fragen und die möglichen Folgen dieses biotechnologischen Fortschritts kritisch zu diskutieren.
Die Ringvorlesung zum Human-Genomprojekt und zu mit ihm verbundenen ethischen Fragestellungen will in allgemeinverständlicher Form einführen in den gegenwärtigen Stand biotechnologischer Wissenschaft und sie will kritische Fragen stellen, auf ethische Problemstellungen hinweisen sowie politologische und theologische Überlegungen zur Gentechnologie vorstellen.
Veranstalter der Ringvorlesung sind das Seminar für Evangelische Theologie und Religionspädagogik (Prof. Dr. Gottfried Orth) und das Institut für Genetik (Prof. Dr. Rüdiger Cerff). Mitveranstalter sind: die evangelische und katholische Studierendengemeinde unserer Universität, die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (Braunschweig), die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Braunschweig und das Dominikanerkloster in Braunschweig.
13. Mai Sicherheitsfragen in der Gentechnik - Vortrag von Dr. Guenther Cichon und Engelbert Wehnes. Ort: Rathaus Pankow, Breite Str. 24A-26, 13187 Berlin. Beginn: 10.00 Uhr. Eintritt ist frei.
14. Mai Informationsgespraech ueber die Trauerbegleitung nach dem Verlust eines Lindes. Frau Bettina Luis, Leiterin der Hebammenschule und des AK ,Lichtblick'.17.30 Uhr, Ort: Hospizarbeit Braunschweig e. V., Hohetorwall 1A, Braunschweig
14. bis 18. Mai Kursreihe: Schwangerschaft als weiblicher Lebensprozess: Mutter werden in unserer Gesellschaft, Bedeutung von ,Mutter', Selbstbestimmung von Frauen, Schwangerschaftsprozess, ungewolte Kinderlosigkeit: leibliche und psychische Ursachen und Alternativen, Machbarkeitsglaube, pränatale Psychologie, neue Verantwortlichkeiten für Frauen, Frauen und Behinderung. Ort: Roncalli Haus, Magdeburg. Auskunft: Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V., Fax: 0211 64 004 20, Tel: 0211 64 004 10.
18. bis 20. Mai Herausforderung Gewalt. Eine Kooperationstagung mit derEvangelischen Akademikerschaft ueber Gewalt in unserer Gesellschaft, ihr Anwachsen und ihre Wahrnehmung und ueber gesellschaftliche und theologische Umgangsstrategien. Mit dem renommierten Hamburger Kriminologen Fritz Sack und anderen. Leitung: Dietrich Cruesemann, Sekretariat: Brigitte Engert, Tel: 07164 - 79 243, Fax: 07164 - 79 12 22, e-Mail: brigitte.engert@ev-akademie-boll.de
19. und 20. Mai Workshop: Entwicklung und Erprobung alternativer Fuehrungskonzeptionen. Leitung; Constance Jaiser, Berlin. Ort: Gedenkstaette Bernburg, Oga-Benario-Strasse 16/18, 06406 Bernburg, Tel + Fax: 03471 - 31 98 16, e-Mail: Hoffmann@Gedenkstaette-Bernburg.de
Ethik in Staat und Gesellschaft - Grundfragen ethischer Verantwortung in unserer Zeit Diese Seminarreihe vermittelt einen fundierten Einblick in die Grundfragen der Ethik in unserer Zeit. In den letzten Jahren hat das Interesse an ethischen Problemen, nicht zuletzt auch angeregt durch die Medien, für viele Menschen an Bedeutung gewonnen. Neue Herausforderungen scheinen tradierte Verhaltensweisen in Frage zu stellen. Sie können sich in Grundseminaren die wichtigsten Inhalte aus dieser Seminarreihe aneignen, in Vertiefungsseminaren Ihre Kenntnisse erweitern und anhand von Fallanalysen festigen. Grundseminare: 20./21.1.: Einführung; 16. bis 18.2.: Glueck; 23.3. bis 25.3.: Amerikanische Ethik; 18.5. bis 20.5.: Globalisierung und Ethik; 14.7. bis 15.7.: Medienethik; 28.9. bis 30.9.: Freiheit; 2.11. - 4.11.: Gewissen. Vertiefungsseminare: 2.3 bis 4.3.: Medizinethik; 11.5. bis 12.5.: Gentechnik; 27.7. bis 29.7.: Wirtschaftsethik; 26.10. bis 28.10.: Grundrechte, Grundwerte. Ihr Ansprechpartner im Bildungswerk der Hanns Seidel Stiftung fuer Allgemeine und Organisatorische Fragen: Tel: 089 - 12 58 237, Fax: 089 - 12 58 338. Internet:
nach oben ------------------- Ethikrat
Berliner Zeitung Mittwoch, 21. März 2001
=> Streit um Schröders Ethikrat für Gentechnik => Konfliktfeld Gentests
Streit um Schröders Ethikrat für Gentechnik
Gesundheitsministerin Schmidt will Kompetenzen ins Kanzleramt verlagern / Kritik der Grünen
Regine Zylka
BERLIN, 20. März. Zwischen SPD und Grünen bahnt sich ein Konflikt um den von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geplanten nationalen Ethikrat für Fragen der Gentechnik an. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" will Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) dem in ihrem Hause bereits existierenden Ethikbeirat die Kompetenzen für die medizinische Gentechnik zu Gunsten des Kanzler-Gremiums entziehen. Die von Schmidts Vorgängerin Andrea Fischer (Grüne) berufenen 13 Wissenschaftler sollen sich stattdessen mit anderen Fragen der Gesundheitspolitik befassen, hieß es in Regierungskreisen. Als Ausgleich werde im Ministerium erwogen, einzelne Beiratsmitglieder in den Ethikrat des Kanzleramts zu entsenden.
Die Gesundheitsexpertin der Grünen im Bundestag, Monika Knoche, kritisierte die Absichten Ulla Schmidts. "Die Grünen fragen sich inzwischen, wer eigentlich Herr im Gesundheitsministerium ist", sagte Knoche. Sie erinnerte daran, dass SPD und Grüne die medizinische Gentechnik per Koalitionsbeschluss dem Gesundheitsministerium zugeschlagen hätten. Als Konsequenz daraus habe Andrea Fischer damals den Ethikbeirat eingesetzt. Sollten Kanzler Schröder und Ministerin Schmidt dies ändern wollen, "müssen sie dies im Einvernehmen mit dem Koalitionspartner tun", warnte Knoche.
In der SPD-Bundestagsfraktion mehrt sich ebenfalls die Kritik am geplanten Ethikrat. Die Gesundheits-expertin Regina Schmidt-Zadel (SPD) forderte, das Gremium nicht beim Kanzleramt, sondern beim Bundespräsidenten oder beim Bundestag anzusiedeln. Derart wichtige gesellschaftspolitische Fragen sollten dort debattiert werden, wo "eine unabhängige Position" des Gremiums sichergestellt sei, sagte sie. Ähnlich hatte sich auch die Vorsitzende der Bundestags-Kommission Recht und Ethik in der Medizin, Margot von Renesse (SPD), geäußert.
Die Vorarbeiten zur Schaffung des nationalen Ethikrats sind indes noch nicht abgeschlossen. Die mit Fragen der Gentechnik befassten Ministerien Justiz, Forschung und Gesundheit sollen sich darüber verständigen, welche Persönlichkeiten in das Gremium berufen werden. "Im Frühjahr" solle dann eine Kabinettsentscheidung herbeigeführt werden, hieß es in Regierungskreisen. Die Besetzung des Ethikrats dürfte jedoch selbst zwischen den SPD-Ministerien umstritten sein. Im Gegensatz zu Ulla Schmidt und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat Justizministerin Herta Däubler-Gmelin sich strikt gegen jeglichen Kurswechsel in der Gentechnik-Politik ausgesprochen. Ihre beiden Kabinetts- und Parteikolleginnen hatten sich offener gezeigt und etwa Gentests an künstlich befruchteten Embryonen nicht ausgeschlossen.
Ulla Schmidt hatte die Gründung eines Ethikrats überraschend nach einem Gespräch mit Schröder und Ärztechef Jörg-Dietrich Hoppe Mitte Januar angekündigt. Er soll die verantwortbaren Potenziale der Gentechnik ausloten. Noch am Vortag hatte Schröder sich kritisch über ein solches Gremium geäußert. Er sei nicht grundsätzlich gegen einen Ethikrat, sagte Schröder vor der evangelischen Akademie Tutzing. Er sei jedoch "dagegen, ethische Themen, die uns alle angehen, sozusagen stellvertretend an ein Gremium von besonders klugen und/oder besonders moralischen Menschen zu delegieren".
http://www.BerlinOnline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/.html/22279.html
Ein Service von Berliner Zeitung, TIP BerlinMagazin, Berliner Kurier und Berliner
Abendblatt. © G+J BerlinOnline GmbH, 21.03.2001
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Berliner Zeitung Mittwoch, 21. März 2001
Konfliktfeld Gentests
Die Gentechnik entwickelt sich zum Streitfall für die Bundesregierung. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob im Reagenzglas befruchtete Embryonen auf genetische Schäden untersucht werden dürfen, bevor sie in die Gebärmutter eingesetzt werden. Die "Präimplantationsdiagnostik" (PID) ist in einigen EU-Ländern zugelassen.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) steht dem Thema weniger kritisch gegenüber als ihre Vorgängerin Andrea Fischer von den Grünen. Diese wollte PID verbieten und hatte ein entsprechendes Fortpflanzungsmedizingesetz vorbereitet, was Schmidt nach ihrem Amtsantritt stoppte.
Der Bundeskanzler möchte Fragen der Gentechnik jenseits "ideologischer Scheuklappen und grundsätzlicher Verbote" behandeln. Deshalb will er einen neuen Ethikrat einberufen. Dazu ist ein Kabinettsbeschluss vorgesehen. Dem Beirat des Gesundheitsministeriums, der der Gentechnik kritisch gegenübersteht, will Ulla Schmidt Aufgaben entziehen.
http://www.BerlinOnline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/.html/22281.html
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Auf der Homepage von Dr. Pedro de la Fuente gibt es unter http://www.fuente.de/bioethik ab sofort die Rundbriefe von Dr. Rolf Lorenz zum Ethikrat. Diese enthalten eine kurze Beschreibung über die Aufgaben dieses Rates aus einer Mitteilung der Regierung sowie einige Kommentare aus der FAZ.
http://www.welt.de/daten/2001/02/15/0215fo222803.htx DIE WELT 15. 02. 2001
Ethik ist kein Fachgebiet
Der Vorschlag des Kanzlers, einen Ethikrat einzurichten, treibt die Spezialisierung dort voran, wo sie nichts zu suchen hat - Kommentar
Von Konrad Adam
Ihr habt Probleme?", fragt uns der Experte. Und fährt dann fort: "Gebt sie nur her, wir lösen sie für Euch!" Einem solchen Angebot zu widerstehen verlangt Mut, und Mut ist selten. In einer Welt, die immer komplizierter aussieht, wird der Experte zur unentbehrlichen Figur. Er trägt verschiedene Namen, nennt sich in der Politik Berater, in der Wirtschaft Consultant und im Alltagsgeschäft Betreuer, bleibt sich jedoch in allen diesen Rollen darin gleich, dass er bei seiner Tätigkeit in fremdem Namen die eigenen Interessen nicht vergisst. Der Experte ist, kurz gesagt, ein Interessent, der sich seiner Herkunft schämt.
Das hat ihn immer schon verdächtig gemacht. Wir klagen nicht und beklagen uns nicht, hatte Theodor Mommsen vor mehr als 100 Jahren geschrieben, "aber die Besten von uns spüren, dass wir zu Fachleuten geworden sind". Was für Mommsen noch anstößig war, ist inzwischen Regel. Die Welt hat sich in ein großes Schachbrett verwandelt, auf dem immer mehr Spezialisten damit beschäftigt sind, auf immer kleinerer Fläche immer tiefer zu bohren. Sie machen es den wenigen, die den Überblick behalten wollen und sich der Parzellierung widersetzen, schwer.
Des Bundeskanzlers Anregung, einen Ethikrat einzurichten, treibt die Spezialisierungswut auf ein Gebiet vor, wo sie nun wirklich nichts zu suchen hat, die Moral. Deren Eigenart besteht ja gerade darin, dass sie die Menschen nicht als hoch spezialisierte Rollenspieler betrachtet, sondern als ganze: Man kann nicht gleichzeitig ein guter Schlächter und ein guter Mensch sein. Schröders Idee, auch die Moral an die Interessenten alias Fachleute auszuliefern, ist absurd. Die Sache gehört nicht in die Hände von irgendwelchen Spezialisten, sondern vors Parlament.
Den Autor erreichen Sie unter: adam@welt.de
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- Sterbehilfe
Wir machen auch aufmerksam auf ein Großes Special in der Zeitung "Die Woche" http://www.woche.de/ mit dem Titelthema: "Töte mich!" - Sterbehilfe zwischen Mitleid und Mord Dieses Special ist unter Umständen schon vom Server genommen. Schnelles Nachschauen ist also empfehlenswert. Christian Frodl, Interessengemeinschaft Kritsiche Bioethik Bayern http://www.bioethik-bayern.de
Zu Ihrer Information am 15.05.2001 - 20.40:
Ergebnis der Umfrage zur Sterbehilfe:
"Aktive Sterbehilfe: Sanfter Tod oder Mord? Sollte auch Deutschland dem Beispiel der Niederlande folgen und die aktive Sterbehilfe legalisieren?" ja 1250 37.6 % nein 2077 62.4 % Abgegebene Stimmen: 3327
Foerdergemeinschaft fuer Taubblinde e.V., Bundeselternvertretung Deutschland http://taubblind.selbsthilfe-online.de
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- Buchtip
Geistige Behinderung, Humangenetik und Ethik. Der Würzburger-Eisinger Fall. Klaus Dörner und Ulrich Spielmann ISBN: 3-00-007 432-5. Verlag: St. Josefs-Stift Eisingen gGmbH, Nikolausstr. 1, 97249 Eisingen, Ian Wilmut hat ein Buch herausgebracht: Autoren: Ian Wilmut; Keith Campbell; Colin Tudge Titel: Dolly. Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter., Hanser Verlag
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- Bundesärztekammer
Die Bundesärztekammer hat herausgegeben: Ethische Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen, eine Erklärung der 52. Generalversammlung des Weltärztebundes in Edinburgh, Schottland, Oktober 2000. Sie ist abrufbar unter www.bundesaerztekammer.de als pdf-Datei.
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- Auch in Bayern ist jetzt eine Ethikkommission geplant.
Mehr dazu unter http://www.aerztezeitung.de/docs/2001/03/09/045a0905.asp
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- Im Westen töten wir anders
CHINA: Die englische Zeitung THE MIRROR vom 14. Februar berichtete, daß eine Besucherin einer kleinen Stadt im Zentrum Chinas mehrere Fotos von einem neugeborenen Mädchen aufnahm, das tot in einer Straßenrinne lag. Die Dame, die die Fotos machte, sagte, daß sie über die Gleichgültigkeit der Passanten schockiert war: sie ignorierten den Körper auf ihrem Weg zur Arbeit. Die Besucherin beobachtete, daß mehr als 3 Stunden vergingen, bevor der Kindeskörper von der Polizei entfernt wurde. Die "Ein-Kind-Politik" der kommunistischen Regierung China's hat zur Folge, daß weibliche Babys oft nach der Geburt getötet werden, weil nur Söhne für die chinesischen Paare eine Sicherheit für das Alter darstellen. Nuala Scarisbrick von der Bewegung LIFE CHARITY in England sagte nach Anblick dieser Photos: "Nichts könnte den Abgrund, in den China's Familienplanungpolitik geführt hat, eindringlicher vor Augen führen." - Im Westen sind wir besser organisiert, um die getöteten Babys zu verbergen: erstens tötet man früher, wenn das Baby noch im Mutterleib versteckt ist; weiterhin wird die Tötung durch spezialisiertes medizinisches Personal, das diese Morde erledigt, durchgeführt, wobei dieses Verbrechen scheinheilig "Schwangerschaftsunterbrechung" genannt wird; schließlich und endlich verschwinden die kleinen Kadaver bei uns sofort, entweder durch deren Verbrennung im Gasofen (!) des jeweiligen Krankenhauses oder der Klinik (manchmal nachdem alles, was Geld bringen kann, herausgeschnitten wurde: Leber, Nieren, Gewebe), oder durch deren Verkauf an kosmetische Laboratorien für die Herstellung besonders wirksamer Hautkremen. - Christlicher Aspekt: wir sind nicht besser als diese Chinesen, wir sind schlechter, weil wir mehr Babys töten, während wir ihre kleinen verstümmelten oder chemisch verbrannten oder lebend getöteten Körper (sogenannte Abtreibung mit partieller Geburt) auf viel geschicktere Weise verbergen - wenn wir sie nicht für einige Silberlinge verkaufen, wie Judas es tat. Die Welt muß es wissen: so lange es noch aufrechte Christen gibt, ist es sicher, daß die moderne Pest des Kindermords mit Gottes Gnade ein Ende finden wird. - (ru; vgl. THE MIRROR 14.2., Feb.14, DAILY MAIL 13.2., SPUC 14.2.)
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- Embryonen
Im Focus (herausgekommen vor Rosenmontag) ab Seite 26 "Gentechnik: Der Streit um Embryonenforschung spitzt sich zu". Politiker melden sich zu Wort.
FRANKREICH: Immer zahlreichere Gebetsaktionen vor den Abteibungshäusern in Frankreich. - DEUTSCHLAND: Zitat aus dem Geheimplan Himmler's zur Auslöschung Polens und Russlands durch Abtreibung.
QUELLENANGABE : "RU" (d.h. RESEAU UNEC) "RU", eine Mini-Presseagentur der UNEC, BP 114, F-95210 St.-Gratien, Tel./Fax: 00-33-(0)134120268 Union der Nationen Europäischer Christen (UNEC) unec@compuserve.com
- FRANKREICH: Der Senat verschob auf unbestimmte Zeit die Prüfung der Gesetzesabänderung, die das französische "Veil"-Gesetz verschärfen würde, das 1975 das Verbrechen der Abtreibung in Frankreich straflos machte und somit legalisierte: Ausdehnung der gesetzlichen freien Abtreibungsfrist von 10 auf 12 Wochen, Straflosigkeit von Abtreibung und Abtreibungsreklame, freie Verteilung der abtreibenden "Pille des nachfolgenden Tags" in den Schulen, sogar an junge Teenager gegen den Willen ihrer Eltern, und die Schaffung eines Meinungsvergehens mit einer Höchststrafe von 200 000 französischen Franken (60 000 DM) und zwei Jahren Gefängnis für die Bekundung jedweden Widerstandes (!) gegen die Abtreibung, die als "moralische und psychologische Quälerei" qualifiziert wird.
Angesichts dieser Radikalisierung der in Frankreich regierenden Todes-Lobbies intensivieren viele mutige Verteidiger des Lebens ihre Gebetsaktionen, die jetzt noch in einer bestimmten Entfernung vom Eingang der Babytötungsfabriken möglich sind: am 17. März in Toulouse, am 24. März in Nantes, Alençon und Toulon, am 7. April in Paris, Lille, Dijon, Aix-en-Provence und Reims, am 28. April in Nantes und Bordeaux, am 5. Mai in Paris, am 12. Mai in Laval usw... Diese sind wahrhaft Zeugen für das Leben, die das Gewissen der Franzosen aufwecken wollen, um den wahnsinnigen Kindermassakers Einhalt zu gebieten.
In Deutschland, Österreich, Irland und den Vereinigten Staaten vermehren sich ähnliche Gebetsaktionen von Tag zu Tag. Währenddessen werden jeden Tag in Frankreich einige 700 Babys im Mutterleib in Stücke zerrissen, versalzt oder chemisch ausgehungert, bevor sie in die Abfallkästen oder Gasöfen der Krankenhäuser geworfen bzw. für medizinische Wiederverwendung oder Forschung auf Eis gelegt werden..., wenn sie nicht diskret an die Kosmetikindustrie verkauft werden. Dieser unbeschreibliche Horror, "der zum Himmel schreit" (Pius X), wird mit Gottes Gnade aufhören, so lange es in diesem Land Christen auf den Knien gibt.- (ru)
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DEUTSCHLAND: Nachstehend ein Zitat aus dem geheimen Plan HIMMLER's aus dem Jahre 1940 zwecks Auslöschung der russischen und polnischen Bevölkerungen (Anm.: in Deutschland selbst war die Abtreibung verboten): "Es muß eine gewaltige und mächtige Propaganda für Antikonzeption organisiert werden. Eine geeignete Industrie muß für diesen Zweck geschaffen werden. Weder die Verteilung noch der Verkauf von Antikonzeptionsprodukten, noch Abtreibung soll gesetzlich verfolgbar sein. Es wird notwendig sein, die Errichtung spezialisierter Institutionen für Abtreibung zu erleichtern, und für deren Betrieb Hebammen oder Krankenschwestern auszubilden. Die Bevölkerung wird die Abtreibung um so wohlwollender akzeptieren als diese mit Sorgfalt inszeniert wird. Ärzte müssen daran teilnehmen, ohne daß dies irgendeine Beeinträchtigung ihrer professionellen Ehre nach sich zöge." (AdR: Zitat ins Deutsche zurückübersetzt).
Jene Nazis waren in Wirklichkeit Anfänger in Anbetracht dessen, was heute vor sich geht: Sprachverdrehung ("Schwangerschaftsunterbrechung" statt Abtreibung, "Pille des nachfolgenden Tags" statt Abtreibungsdroge, "Gesundheitspflege der Fruchtbarkeit" statt Babymord); Kostenrückerstattung für dieses Verbrechen; das Recht für jede Frau, ihr eigenes Baby zu töten; Massenhinrichtungen dieser Art in allen Ländern... Frage: wie lautet der geheime Plan heute, und wer stellte ihn auf ? - (ru; vgl. Dr.Wetzel/Himmler: "Theorie des langzeitigen Völkermords", 1940; OCCV März 2001).
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Die WELT 26. 03. 2001
"Der Gentest im Reagenzglas ist nicht strafbar"
Experten diskutierten umstrittene Präimplantationsdiagnostik - Unterschiedliche Auslegung des Embryonenschutzgesetzes
Von Sonja Kastilan
Ahrensburg - Noch wird die Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland nicht praktiziert. Doch der Gentest an Embryonen, die im Reagenzglas gezeugt wurden, sollte auch hier zu Lande unter bestimmten Bedingungen schon bald eingesetzt werden, forderten Fortpflanzungsmediziner bei einem Treffen in Ahrensburg bei Hamburg. Dort hatten sie am vergangenen Wochenende gemeinsam mit Juristen, Ethikern und betroffenen Patienten über Chancen und Risiken der Methode diskutiert.
"PID ist nach einfachem Recht nicht strafbar", meinte der Rechtsmediziner Hans-Ludwig Schreiber von der Universität Göttingen. "Ob es klug wäre, sie jetzt anzuwenden, ist etwas anderes." Das Embryonenschutzgesetz verbiete eine PID nicht, denn der Embryo werde mit der Absicht einer Schwangerschaft erzeugt, nicht die Diagnostik sei das Ziel, interpretiert Schreiber das Gesetz. Nach höherem Recht sollte PID daher in bestimmten Fällen erlaubt sein, so Schreiber.
PID ermöglicht es, schweren Erbkrankheiten vorzubeugen, erklärte Professor Klaus Diedrich, Leiter der Lübecker Frauenklinik. Kritiker der Methode sehen in der PID jedoch ein Instrument der Selektion, fürchten die Diskriminierung Behinderter. Weltweit wurden bislang rund 500 Kinder geboren, deren Entstehung mit Hilfe der PID kontrolliert wurde. Eine kleine Zahl angesichts der Tatsache, dass Ärzte PID seit 1989 einsetzen.
50 Zentren wenden die Methode an. Zehn europäische Länder, darunter Belgien, Großbritannien und Spanien, erlauben die PID. Im vergangenen Jahr präsentierte die Bundesärztekammer erstmals einen Entwurf, nach dem Ärzte das Verfahren in bestimmten Fällen auch in Deutschland anwenden könnten. Die meist mehr emotional als argumentativ geführte Debatte über Selektion und Embryonenschutz entbrannte von neuem. Und immer wieder lodert sie auf, da eine gesetzliche Regelung für die PID fehlt.
Eine pauschale Ablehnung der PID greife dabei zu kurz, meinte der evangelische Theologe Professor Hartmut Kreß aus Bonn. Er plädierte wie auch Schreiber für eine Abwägung, denn auch das Leben von Embryonen sei kein "absolutes" Gut, das um jeden Preis geschützt werden müsse, zum Beispiel trotz Gefährdung seiner Gesundheit. Kreß bezeichnet es als "Doppelmoral", wenn ethische Zweifelsfragen wie diese an das Ausland abgewälzt werden.
Denn PID-Patiententourismus ist längst Realität. Er führt deutsche Paare zunehmend ins europäische Ausland, wo sie sich Hilfe von den Reproduktionsmedizinern erhoffen. Die Universität in Brüssel ist dabei für viele eine erste Anlaufstelle. Auch nach Spanien führt die Paare der Kinderwunsch. "20 Prozent meiner Patienten kommen aus Deutschland", berichtete Carlos Simon aus Valencia.
Dieter Birnbacher vom Philosophischen Institut der Universität Düsseldorf sieht gerade in Deutschland nur eine geringe Gefahr, dass die als Dammbruch geächtete PID tatsächlich zu Missbrauch führe. Der herrschende Geist der Gründlichkeit, wie Birnbacher es nannte, würde voreiliges Handeln ausschließen. Und er bedauert es nicht, "dass manche Debatten in Deutschland länger dauern als in anderen Ländern". In dieser Diskussion müsse jedes Argument geprüft werden.
"Wir müssen sehr vorsichtig und verantwortlich handeln", betonte der britische Reproduktions-mediziner Robert Edwards, der die Ängste vor Diskriminierung von Behinderten oder Missbrauch zur Zeugung von Designer-Babys verstehen kann. "Das sind keine kleinen Fragestellungen, sondern welche gewaltigen Ausmaßes." Als wichtigen Aspekt zu Beginn diesen neuen Jahrhunderts betonte Edwards, dass sich die Familienplanung völlig verändert habe, sie beginne heute mit der Verhütung.
Joyce Harper vom Londoner University College hebt daher die strenge Kontrolle der PID in Großbritannien hervor: "Ein System, das wirklich funktioniert." Auch in Deutschland wäre es mit entsprechenden Regelungen möglich, "Paaren, die sich eine gesunde Familie wünschen, mit der PID zu helfen". Für das Ehepaar Graumann aus Ahrensburg wäre es ein großer Glücksfall, wenn sich die Politik bald für die PID entscheiden könnte. Auf Grund einer Chromosomenveränderung kann das Paar auf natürlichem Wege keine eigenen Kinder bekommen. Deutlich wurde, wie traumatisch es sein muss, zwei Mal nach drei Monaten eine Fehlgeburt zu erleiden und zu wissen, ein eigenes Kind kann nur mit Hilfe der PID entstehen, die aber ihr Arzt in Deutschland nicht anwenden darf. Zwei Versuche, die in Brüssel unternommen wurden, scheiterten. Dabei stellte die insgesamt sehr aufwendige Prozedur für beide Ehepartner eine ungeheure Belastung dar. Vor allem aber für seine Frau, wie Günter Graumann mitfühlend beschrieb, denn sie erlebte die Behandlung im Gegensatz zu ihm am eigenen Körper.
URL: http://www.welt.de/daten/2001/03/26/0326ws243092.htx
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Evangelische Bischoefe legen Papier zur Biomedizin vor
Rothenburg ob der Tauber , 15.3.2001 (ALfA). Nachdem sich in der vergangenen Woche bereits die katholischen Bischoefe mit einer Stellungnahme zu Fragen der Gentechnik zu Wort gemeldet hatten (ALfA-Newsletter vom 09.03.), hat nun auch die Leitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) Position bezogen. Auf ihrer Klausurtagung in Rothenburg ob der Tauber (10. - 14. Maerz) verabschiedete die Bischofskonferenz der VELKD einstimmig eine Stellungnahme, die der in der Diskussion befindlichen Lockerung des Embryonenschutzes in Deutschland eine klare Absage erteilt.
Darin lehnen die evangelischen Bischoefe "alle Praktiken ab, die den Embryo als ein beliebig manipulierbares Objekt behandeln. Dazu gehoeren die verbrauchende Embryonenforschung und das Klonen ebenso wie die Keimbahnmanipulation". Der Leitende Bischof der VELKD, Bischof Dr. Hans Christian Knuth, sagte vor Journalisten: "In Deutschland werden Embryonen optimal geschuetzt - und so soll es auch bleiben." Ausdruecklich wandte er sich gegen jegliche Ueberlegungen, das Embryonenschutzgesetz neu zu fassen.
In der fuenfseitigen Stellungnahme fordern die evangelischen Bischoefe, die Praenatale Diagnostik solle kuenftig "nur in besonderen Faellen und nur auf den nach umfassender Beratung erklaerten Willen der Schwangeren hin durchgefuehrt werden". Routinemaessig vorgenommen, fuehrten sie in der Regel bei entsprechender Indikation zur Spaetabtreibung bereits ausserhalb des Mutterleibes lebensfaehiger Kinder. Die Bischoefe fordern vom Gesetzgeber, die hier bestehende Luecke im Gesetz zu schliessen. Im Rahmen Praenataler Diagnostik sei das Recht der Eltern auf Nichtwissen zu akzeptieren. Auch seien die Eltern auf die Risiken der Untersuchungen - zum Beispiel Fehlgeburten - aufmerksam zu machen. "Beratungen bei praenataldiagnostischen Methoden sollten zur Pflicht werden", fordern die evangelischen Bischoefe.
Zu der in Deutschland verbotenen Praeimplantationsdiagnostik (PID) erklaerte die Bischofskonferenz, dass diese Methode "erhebliche Moeglichkeiten des Missbrauchs" biete. Angesichts dieser Missbrauchsmoeglichkeiten lehnt die Bischofskonferenz der VELKD "zum gegenwaertigen Zeitpunkt eine gesetzliche Zulassung der PID ab". Man verstehe den Wunsch von Eltern, durch PID fuer sie untragbar erscheinendes Leid ausschliessen zu wollen. Aber es gebe keine Garantie auf ein gesundes Kind. "Wir muessen es neu lernen, dass Leben mit Behinderung ebenso wie "gesundes" Leben vor Gott seine eigene Wuerde hat", heisst es in dem Papier weiter.
Menschliches Leben verdiene schon von seinen ersten Stadien an Respekt und einen besonderen Schutz. Dazu gehoere, dass es dem willkuerlichen Zugriff entzogen sei. Schon der menschliche Embryo habe eine Wuerde, die unantastbar und unverfuegbar sei.
Zur Stellungnahme der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) zu Fragen der Bioethik erklaerte der Sprecher der SPD-Arbeitsgruppe in der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin", Wolfgang Wodarg, er begruesse die Stellungnahme der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) zur Biomedizin, bedauere aber gleichzeitig, dass die evangelische Kirche die PID nur zum "gegenwaertigen Zeitpunkt" ablehnt "und damit darauf verzichtet hat, Selektionstechniken grundsaetzlich fuer unzulaessig zu erklaeren." "Denn PID", so Wodarg weiter, "bedeutet immer Selektion: Aus mehreren befruchteten Eizellen wird diejenige ausgewaehlt, die die gesuchten genetischen Anlagen fuer eine Erbkrankheit nicht aufweist."
(Mehr dazu: www.velkd.de)
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- Interview mit Herrn Sloterdijk
Im Tagesspiegel vom 8.03.2001 ist mit Peter Sloterdijk ein Interview "Ich glaube nicht an den Gott, der Hasenscharten schuf", ca. 6 Seiten. Auf Anfrage stellen wir Ihnen dieses gegen Briefmarken zur Verfügung.
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Eindeutig: Katholische Bischoefe beziehen Position in Gentechnik-Debatte
Augsburg (ALfA). Praeimplantationsdiagnostik, von Arbeitgebern und Versicherungen geforderte Gentests, Eingriffe in die menschliche Keimbahn, therapeutisches und reproduktives Klonen sind mit der Wuerde des Menschen unvereinbar. Das geht aus dem "Wort der Deutschen Bischofskonferenz zu Fragen von Gentechnik und Biomedizin" hervor, das die katholischen Bischoefe zum Abschluss der Fruehjahrs-Vollversammlung in Augsburg am vergangenen Donnerstag der Oeffentlichkeit vorstellt haben. In der 14 Seiten umfassenden differenzierten Stellungnahme, die von den Bischoefen einstimmig verabschiedet wurde, weisen die Oberhirten ausdruecklich auf die Chancen der Gentechnik hin und unterziehen alle in der Diskussion befindlichen Anwendungen einer ausfuehrlichen Pruefung. Das Parlament fordern die Bischoefe auf, "durch entsprechende Gesetze der Komplexitaet, den Risikodimensionen, den Zukunftswirkungen und den ethischen Implikationen der Gentechnik Rechnung zu tragen.
(mehr dazu: www.dbk.de)
Die EKD äußerte sich am 16.3.2001 im 3sat ähnlich kritisch zur Gentechnik.
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- Das Erzbistum bietet
Das Erzbistum-Koeln bietet Beratung und Schulung fuer Ethik im Krankenhaus im Rahmen der Krankenhausseelsorge an (auch im Netz):
http://www.ethik-medizin-pflege.de/
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- Neues Personal im Gesundheitsministerium
Bundesministerium für Gesundheit Pressemitteilung Nr. 24 vom 21. März 2001
Neue Mitarbeiter im Bundesministerium für Gesundheit
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat zwei leitende Positionen im Bundesministerium für Gesundheit neu besetzt. Dr. Edwin Smigielski wird Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung, Dr. Stefan Winter wird Leiter der Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbekämpfung.
Dipl. oec. Dr. Edwin Smigielski tritt die Nachfolge von Dr. Herrmann Schulte-Sasse an. Er ist u. a. verantwortlich für den Bereich gesetzliche Krankenversicherung, Grundsatzfragen der Krankenhaus-versorgung und -finanzierung, die Qualitätssicherung im Krankenhaus, das Vertragsarztrecht und medizinische Fragen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Winter übernimmt die Aufgaben von Ulrike Riedel. In seine Verantwortung fallen u. a. die Fragen der Medizinethik, der Humangenetik und der molekularen Medizin, die Gesundheitsberufe mit und ohne Hochschulausbildung, Grundsatzfragen des Gesundheitsrechts sowie die Patientenrechte, die Gentechnik, der umweltbezogene Gesundheitsschutz, die Drogen- und Suchtmittelfragen sowie die Prävention übertragbarer Krankheiten wie z. B. Aids.
Beide sind ausgewiesene Fachleute in ihrem Bereich, sowohl von der Ausbildung her als auch von ihrem beruflichen Werdegang.
Kurzlebenslauf
Name: Dr. Edwin Smigielski Geburtsdatum/-ort: 22. Januar 1951 / Oer-Erkenschwick Familienstand: verheiratet, zwei Kinder Hochschulausbildung: 1971 - 1976 Universität Duisburg, Studium der Wirtschaftswissenschaften Promotion: 1976 - 1980 Promotionsstudium an der Universität Duisburg Praktische Tätigkeiten: 1976 - 1980 Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Universität Duisburg
1980 - 1989 Tätigkeit beim AOK-Bundesverband 1989 - 1991 Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein 1991 - 1998 Geschäftsführer Politik des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA) 1999 - 2000 Vorstandsbevollmächtigter, Leiter des Geschäftsbereichs Kostenträger /Kliniken/ Grundsatzfragen des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation 2001 Geschäftsführer der Patienten- Heimversorgung Gemeinnützige Stiftung
Kurzlebenslauf
Name: Privat-Doz. Dr. med. Stefan Winter, Arzt und Molekularbiologe Geburtsdatum: 20. September 1960 Familienstand: verheiratet, 3 Kinder Hochschulausbildung: 1979 - 1988 Studium der Humanmedizin, Philosophie und der Molekular- und Zellbiologie an den Universitäten Bonn, Marburg, Basel und Hamburg Promotion: 1987 Promotion zum Dr. med. an der Universität Marburg Habilitation: 1998 Habilitation an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn 1988 - 1990 Ausbildung in Innerer Medizin, Universitätskrankenhaus Hamburg Eppendorf 1991 Postdoctorate Fellow am National Cancer Institut, Washington, USA 1991 - 1992 Research Fellow Southwestern University, Dallas ,Texas, USA
Praktische Tätigkeiten: 1992 - 1998 Tätigkeit am Bundesministerium für Gesundheit als Referent und seit 1994 als Referatsleiter für Humangenetik, Molekulare Medizin 1993 - 1997 Geschäftsführer der Bund - Länder Arbeitsgruppe "Somatische Gentherapie" seit Januar 1999 Dezernent der Bundesärztekammer, Abteilungsleiter Wissenschaft und Forschung seit 1992 Mitglied im Europäischen Lenkungsausschuss für Biomedizinische Ethik beim Europarat (CDBI) 1994 - 1996 Mitglied im Redaktionskomitee des Lenkungsausschusses (CDBI-Co-Red) 1996 - 1998 Vizepräsident des CDBI seit 1998 Vorsitzender des Europäischen Genetikausschusses in Straßburg seit 1999 Deutsches Mitglied im 8-köpfigen Steuerungsgremium (Büro) des CDBI seit 2000 Sachverständiges Mitglied der Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" des Deutschen Bundestages
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PM Hubert Hüppe:
Berlin, 27. März 2001
Hüppe kritisiert Bioethik-Schwenk: "Entsorgung" des Ethikbeirats
Zur Auflösung des Ethikbeirates des Bundesgesundheitsministeriums erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" Hubert Hüppe MdB:
Am Donnerstag, 29. März 2001, wird der Ethikbeirat des Gesundheitsministeriums ersatzlos aufgelöst. Damit setzt sich der Kurswechsel der rot-grünen Bundesregierung bei Fragen wie Embryonenforschung, Klonen und Gendiagnostik fort.
Seit Kanzler Schröder "grundsätzlichen Verboten" in der Bioethik eine Absage erteilt und Kritikern "ideologische Scheuklappen" vorgeworfen hat, seit Nida-Rümelin menschlichen Embryonen die Menschenwürde abgesprochen hat, vollzieht sich ein rasanter Schwenk. Er zeichnet sich besonders dadurch aus, daß jeder aus dem Weg geräumt wird, der die heißen Eisen der Bioethik vorsichtig anfassen will oder ethische Bedenken äußert.
Die grüne Gesundheitsministerin Fischer samt ihrer Staatssekretärin mußten gehen, ihr Projekt eines Fortpflanzungsmedizingesetzes wurde eingestampft. Nun folgt dem Kehraus auf Abteilungsleiterebene die Entsorgung des offenbar als störend, weil zu nachdenklich, empfundenen Ethikbeirates. Damit fällt die letzte Bastion der Bioethik-Kritiker innerhalb der rot-grünen Bundesregierung.
Dabei gäbe es allein im Gesundheitsbereich mehr als genügend Themen, die das Fortbestehen des im Dezember 1995 unter Minister Seehofer eingerichteten Ethikbeirates beim Gesundheitsministerium erfordern.
Statt dessen soll die von Ulla Schmidt geforderte "breit angelegte Diskussion" in den neuzuschaffenden "nationalen Ethikbeirat" bei Kanzler Schröder verlagert werden. Schröder wird unschwer Experten finden, die den von seinem Kulturstaatsminister Nida-Rümelin eingeläuteten Kurs abnicken.
Daß die Grünen sich die neue bioethische Marschrichtung so teilnahmslos gefallen lassen, ist vor allem ein Beleg ihres zunehmenden Absinkens in die Bedeutungslosigkeit.
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- Genmanipulierte Fische
Thema: Greenpeace mobilisiert gegen genmanipulierten Lachs in... Absender: NewsBote@aol.com
Greenpeace mobilisiert gegen genmanipulierten Lachs in Kanada
Ottawa/New York (dpa) - Greenpeace hat am Dienstag auf Prince Edward Island (Kanada) gegen die Zucht von genmanipuliertem Lachs protestiert. Aktivisten der Umweltschutzorganisation verhullten die Fischfarm Aqua Bounty mit einem 500 Quadratmeter grossen Banner und verriegelten ihre Eingange. Auf dem Banner ruft Greenpeace zum "Stopp (von) genmanipuliertem Fisch" auf. Die von Aqua Bounty gezuchteten Lachse wachsen durch einen genetischen Eingriff vier bis sechs Mal schneller als normale Lachse heran.
Greenpeace sieht in den "schnell wachsenden Gen-Fischen eine Bedrohung fur ihre Artgenossen", wie Gentechnik-Expertin Imke Ide von Greenpeace Deutschland in Hamburg erlauterte. Abgesehen von noch nicht geklarten Risiken fur den Verbraucher konnten die manipulierten Fische irreversible okologische Schaden verursachen. Greenpeace befurchtet, dass die kommerziell gezuchteten Fische trotz aller Vorsichtsmassnahmen in freies Gewasser gelangen und wilde Fischarten verdrangen werden.
Laut Greenpeace haben fuhrende Meeresbiologen Bedenken gegen die Freisetzung genmanipulierter Fische geaussert. Bereits einige davon konnten eine verheerende Wirkung haben. Demnach sollen nur 60 genetisch veranderte Fische ausreichen, um einen anderen Fischbestand von 60 000 Exemplaren innerhalb von 20 Jahren auszuloschen. In den 90er Jahren sind
Greenpeace-Informationen zufolge mehr als 280 000 Lachse und andere Arten aus Fischfarmen in der kanadischen Provinz Britisch-Kolumbien entwichen. Die Lachse von Aqua Bounty produzieren verstarkt Wachstumshormone, die den Reifeprozess ankurbeln.
Die Zuchtstation gehort der US-Firma A/F Protein, die noch in diesem Jahr mit der Zustimmung der amerikanischen Gesundheitsbehorde FDA rechnet. In der Zwischenzeit arbeitet das Unternehmen bereits an den nachsten Gen-Fischarten, Forellen, Steinbutt und Hummer mit Veranlagung zum beschleunigtem Wachstum.
(c)dpa
271726 Mrz 01
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- Bürgerkonferenz zur Gendiagnostik
Berliner Zeitung, Mittwoch, 28. März 2001
Bürgerkonferenz zum Thema Gendiagnostik Ergebnisse sollen in die Gesetzgebung einfließen
Lilo Berg
Erstmals in Deutschland wird demnächst eine "Bürgerkonferenz" zum Thema Gendiagnostik einberufen. Dabei diskutieren Bürger und Wissenschaftler über die neue Technik, ihre Folgen und über die damit verbundenen Ängste und Hoffnungen. Die Ergebnisse des bis November laufenden Modellprojektes, das vom Deutschen Hygiene-Museum in Dresden initiiert wurde, sollen Öffentlichkeit und Politik zur Verfügung gestellt werden.
Die Bürgerkonferenz orientiert sich am Modell der Konsensus-Konferenzen, wie sie der dänische Technologierat bereits mehrfach initiierte, um neue und umstrittene Technologien öffentlich zu diskutieren. Auch in Holland, der Schweiz und in den Vereinigten Staaten hat sich die Methode bereits bewährt.
Diskussion unter Druck Gendiagnostische Verfahren werden heute in der Pränatalmedizin, der humangenetischen Beratung und in der Kriminalistik angewandt. Es wird auch erwogen, sie für die Präimplantationsdiagnose und in der Arbeitsmedizin zu nutzen. Erst kürzlich hatte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eine gesetzliche Regelung der Gendiagnostik noch in dieser Legislaturperiode angekündigt.
Im April und Mai werden zwanzig Bürger bundesweit ausgewählt, kündigte der Direktor des Hygiene Museums, Klaus Vogel, am gestrigen Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin an. Die Gruppe wird gleichmäßig aus Männern und Frauen unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Gesellschaftsschichten bestehen. Wer beruflich mit der Gendiagnostik zu tun hat, darf nicht teilnehmen.
Nachdem sich die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Konferenz gründlich mit den medizinischen, ethischen und gesellschaftlichen Aspekten der Gendiagnostik beschäftigt haben - unter anderem während zweier Wochenendseminare im Herbst - ist am 23. und 24. November eine Diskussions-veranstaltung am Hygiene-Museum geplant. Dazu laden die Bürger wissenschaftliche Sachverständige ein, die sie öffentlich befragen. Ein Positionspapier soll die Ergebnisse der Diskussion dokumentieren.
Nicht nur in den Feuilletons Klaus Vogel ist überzeugt, dass die Bürgerkonferenz die politische Diskussion über die Gendiagnostik voranbringen kann. "Die Debatte über diese Zukunftsfragen darf sich nicht auf Expertenrunden und die Feuilletons beschränken", sagt der Dresdner Museumschef. Auch der geplante nationale Ethikbeirat könne die Beteiligung einer breiten Öffentlichkeit nicht ersetzen.
Vor zwei Wochen haben Vogel und seine Mitarbeiter das Projekt vor Vertretern der Bundestags-Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen Medizin" vorgestellt. Die Kommission wird auch zur Abschlussveranstaltung im November eingeladen, berichtet Klaus Vogel. Er will die Resultate der Konferenz zudem allen politischen Fraktionen zur Verfügung stellen sowie dem bis dahin voraussichtlich etablierten nationalen Ethikrat.
Das Hygiene-Museum in Dresden hat sich mit mehreren Ausstellungen zum Thema "Gentechnik" einen Namen gemacht, darunter die bundesweit beachtete Schau "Gen-Welten - Werkstatt Mensch" vor zwei Jahren. Dabei geht es immer auch um gesellschaftliche und kulturelle Hintergründe biomedizinischer Entwicklungen.
Das Projekt wird vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe wissenschaftlich begleitet und begutachtet. Untersucht werden soll, ob sich die Methodik der Bürgerkonferenz für künftige Anwendungen - auch zu anderen Fragestellungen - eignet. Das Bundesforschungsministerium fördert die Initiative mit rund 230 000 Mark; der Stifterverband beteiligt sich mit weiteren 40 000 Mark.
Informationen zur Bürgerkonferenz im Internet (von Mai an): www.buergerkonferenz.de http://www.BerlinOnline.de/aktuelles/berliner_zeitung/wissenschaft/.html/247 56.html Ein Service von Berliner Zeitung, TIP BerlinMagazin, Berliner Kurier und Berliner Abendblatt. © G+J BerlinOnline GmbH, 28.03.2001
http://www.zeit.de/2001/14/Politik/200114_pid.html
DIE ZEIT 14/2001 vom 29.03.2001
PRÄNATALE DIAGNOSTIK
Was kann, was darf der Mensch? Chancen und Grenzen der vorgeburtlichen Medizin
Von Andrea Fischer und Margot von Renesse
Vor einiger Zeit haben wir den Vorschlag gemacht, bei der Regelung der Präimplantations-diagnostik (PID) ähnlich vorzugehen wie bei der Regelung des Schwangerschaftsabbruchs - also mit der Konstruktion "rechtswidrig, aber straffrei". Diese Überlegung hat Kritik hervor-gerufen: Unser Vorschlag sei ein "Schleichweg", hieß es, der den Gesetzgeber in eine schizophrene Situation bringe. Auch lasse er betroffene Frauen und Ärzte in Unklarheit über die Rechtmäßigkeit ihres Tuns.
Dieser Vorwurf ist nicht neu. Er wurde und wird gegen die Entscheidung des Bundesver-fassungsgerichts erhoben, die der jetzigen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs vorausging. Das Gericht hatte sich Mühe gegeben, eine Entscheidung zu treffen, mit der eine große Mehrheit der Bevölkerung leben zu können schien. Diese Entscheidung hat für einen relativen Rechtsfrieden gesorgt. Vielleicht reichen die Gesetze der Logik allein angesichts von Grenzsituationen menschlicher Existenz nicht aus, um überzeugende Antworten auf Wertungsfragen zu finden.
Logisch konsequent im Konflikt zwischen dem vorgeburtlichen menschlichen Leben und der Mutter sind nur zwei Haltungen. In der öffentlichen Diskussion stehen sie in einem scharfen Gegensatz zueinander. Für die einen ist der frühe menschliche Keim ein bloßer "Zellhaufen" ohne eigene Rechtsqualität. Aus dieser Perspektive gibt es weder bei der Präimplantations-diagnostik noch beim Schwangerschafts-abbruch ein rechtliches oder ethisches Problem. Für die anderen hat menschliches Leben von Anfang an Vorrang vor allem anderen" das schließt die Lebensinteressen der Frau ein, die seine physische Entwicklung erst ermöglicht. Daraus folgt, dass jeder Eingriff in diese Entwicklung ethisch unvertretbar und damit strafwürdig sein muss.
Als Grundlage von Gesetzgebung sind beide Positionen untauglich: Beide passen weder zu den Erfahrungen noch zu den Möglichkeiten der Menschen, für die sie Geltung bean-spruchen. So leuchtet es einerseits nicht ein, das Leben eines Kindes sei vor seiner Geburt ein rechtliches Nichts. Andererseits kann es nicht sein, dass schwerwiegende Lebens-interessen der zukünftigen Mutter gegenüber dem Schutzgebot für das frühe menschliche Leben rechtlich ohne Bedeutung sein sollten.
Keine ethische Orientierung erspart uns die Erfahrung, dass Werte einander in Grenz-situationen widersprechen können. Deshalb weisen wir den Vorwurf keineswegs zurück, unsere Überlegungen zur Präimplantationsdiagnostik enthielten Widersprüche. Wie die Regelung des Schwangerschaftsabbruchs beweist, kann auch dann Rechtsfrieden erreicht werden, wenn die Gesetzgebung der Widersprüchlichkeit des Lebens Rechnung trägt.
Wir streiten nicht allein für gesetzgeberischen Pragmatismus. Aber im Bereich von Fortpflanzung, Schwangerschaft und Geburt können nur solche ethischen Bewertungen Bestand haben, die weder das vorgeburtliche Leben noch die Frau, die seiner Entwicklung mit der eigenen Person dient, rechtlich dem Interesse des jeweils anderen völlig unterwerfen. Welche Philosophie, Weltanschauung oder Religion in unserer Gesellschaft auch vertreten wird - zu den Grundregeln unseres Zusammenlebens gehört es, dass Gesetze niemals über Lebensinteressen des einen zugunsten des anderen einfach hinweggehen und ihn zum bloßen Instrument eines fremden Interesses machen dürfen. Niemand kann rechtlich gezwungen werden, einem anderen sein Schicksal zu opfern, mögen solche Pflichten auch zu bei uns vorhandenen weltanschaulichen, insbesondere religiösen Traditionen gehören. Das Gesetz kann solch anspruchsvolle Pflichten weder auferlegen noch mit Sanktionen erzwingen wollen. Wie auch immer das Parlament die Fragen der Fortpflanzungsmedizin eines Tages regelt - jede Minderheit muss zu der Mehrheit Vertrauen haben können. Weder das vorgeburtliche menschliche Leben noch das Leben seiner Mutter darf als Quantité négligeable angesehen werden.
Das Verlangen nach einer eindeutigen Regelung entspringt nicht nur dem Bedürfnis nach logischer Konsistenz. Die Forderung nach "glasklaren Lösungen" ist auch Ausdruck des Wunsches, der Gesetzgeber möge den Betroffenen die Verantwortung für ihr Tun abnehmen. Diese Erwartung ist nicht zu erfüllen. Aus ihrer Verantwortung können weder die künftigen Eltern noch die sie betreuenden Ärzte entlassen werden.
Denn worin könnte die Antwort des Gesetzgebers für die Einführung von PID bestehen? Sicherlich nicht in einem Katalog kasuistisch aufgezählter Erbkrankheiten, die das Leben oder Zusammenleben vermeintlich unzumutbar belasten. Hier fehlt es an objektiven Kriterien. Auch werden Heil- und Hilfsmöglichkeiten durch die moderne Medizin ständig erweitert. Vor allem aber sind die Auswirkungen einer solchen Auflistung auf Menschen zu bedenken, die mit diesen Belastungen leben.
Oder sollte die "eindeutige Regelung" die Inanspruchnahme von PID nach der Einschätzung von Paaren eröffnen, reguliert allein durch ärztliches Standesrecht? Die Absicht derer, die PID nur in engen Grenzen zulassen wollen, würde so durchkreuzt. Die persönliche Verant-wortung läge nach wie vor bei den Anwendern im konkreten Fall. Vor allem hätte sich der Gesetzgeber seiner verfassungsmäßigen Aufgabe entzogen, dem keimenden Menschen-leben als einem höchstrangigen Rechtsgut Schutz zu gewähren. Über menschliches Leben kann nicht ohne weiteres verfügt werden. PID nimmt jedoch die Verwerfung von geschädigten Embryonen in Kauf. Die Entscheidung darüber, ob dies hingenommen werden kann, muss der Gesetzgeber treffen.
Der entscheidende Ort der Ethik ist ohnehin nicht ein Gesetz, das einem Elternpaar entweder das Leben mit einem behinderten Kind oder den Verzicht auf leibliche Nachkommen vorschreibt. Die Nagelprobe für ethisches Verhalten besteht vielmehr in einer Gesellschaft, in der sich die Frage nach einer Gleichbe-rechtigung von Menschen mit Behinderung nicht länger stellt. Der Debatte um die Präimplantations-diagnostik wohnt die Gefahr inne, dass Menschen mit Behinderungen immer stärker abgelehnt werden.
Angesichts zunehmender Möglichkeiten der prädiktiven Medizin wünschen wir uns gerade auf diesem Gebiet eine intensive öffentliche Diskussion. Denn es muss deutlich werden, welche Kräfte unser Gemeinwesen für das Lebensrecht von Menschen mit Behinderungen einzusetzen bereit ist. Solcher Einsatz fördert die Ethik des Zusammenlebens eher als die Strafandrohung gegen Eltern, die von einer wahrscheinlichen Behinderung des Kindes, das sie erwarten, erfahren. Wir brauchen Vorschläge zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation von Menschen mit Behinderungen.
Sollte es zu einem Gesetzentwurf auf dem Gebiet der vorgeburtlichen Diagnostik kommen, halten wir nicht die Einführung neuer Verbote, sondern eines Anspruchs für betroffene Frauen auf fachkundige Beratung für erforderlich. Gleichzeitig sollten Eltern, die von der möglichen Behinderung ihres Kindes erfahren, zu dessen Annahme ermutigt werden. Dazu gehört, dass endlich der Unterhaltsregress abgeschafft wird, der Eltern eines behinderten Kindes mit lebenslanger finanzieller Verantwortung bedroht - weit über den Zeitpunkt hinaus, zu dem nichtbehinderte Kinder wirtschaftliche Selbstständigkeit erlangt haben.
Andrea Fischer und Margot von Renesse sind Bundestagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen und die SPD
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Kontaktadressen des ,Arbeitskreis Bioethik Braunschweig': Martin Vogt, Gerstaecker Straße 23, 38102 Braunschweig, Tel + Fax: 0531 79 44 74, Angelika Wessel, Wedderkopsweg 4, 38118 Braunschweig, Tel + Fax: 0531 50 65 15