Tübinger Initiative gegen die geplante Bioethik-Konvention

Dr. Rolf J. Lorenz, Erlenweg 40, 72076 Tübingen Tel.: 07071-600111; FAX: 07071-930479


19. Zirkular


Verschiedenes
Anlage zum 19. Zirkular der Tübinger Initiative gegen die geplante Bioethik-Konvention

Neue (und fast-neue) Bücher

Bartens, Werner: Die Tyrranei der Gene. Wie die Gentechnik unser Denken verändert. Karl Blessing Verlag, 1999, 284 Seiten

"Biologisierung des Sozialen?" Schwerpunktthema in Heft 71 der Zeitschrift Widersprüche. Kleine Verlag, Bielefeld, 1999, 112 S., 21 DM

Bogner, Alexander: Bioethik und Rassismus. Neugeborene und Koma-Patienten in der deutschen Euthanasie-Debatte. Argument Verlag Hamburg/Berlin, 2000, 169 S., 29,80 DM

DIAKONIE - Das Magazin für Führungskräfte, Heft 5/Oktober 2000. Leitthema dieses Heftes ist "Präimplantationsdiagnostik" mit vier Aufsätzen: "Selektion in der Petri-Schale; gefährliche Vision vom Menschen nach Maß" - "Die Frage nach dem Menschenbild; Expertengespräch mit Wolfgang Wodarg" - "Alles unter Kontrolle?; Familienplanung und Ethik" - "Der Mensch ist nicht allmächtig - Die Würde des Menschen achten". Gegen Rechnung (9 DM + Porto zu beziehen über: Redaktion DIAKONIE, Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart (Frau Ulrike Baumgärtner), Tel.: 0711-2159 453, Fax: -2159 566, e-mail: redaktion@diakonie.de

Dörr Günter, Rüdiger Grimm, Therese Neuer-Miebach (Hrsg.): Aneignung und Enteignung. Der Angriff der Bioethik auf Leben und Menschenwürde. Verlag selbstbestimmtes Leben, Düsseldorf, 2000, 297 S., 24,80 DM

Fuchs, Ursel: Die Genomfalle. Die Versprechungen der Gentechnik, ihre Nebenwirkungen und Folgen. Patmos-Verlag Düsseldorf, 2000, 272 S., 39,80 DM

Greiffenhagen, Martin: Kulturen des Kompromisses. Leske+Budrich, Opladen, 1999, 222 S., 38 DM

Hennen, Leonhard, Thomas Petermann, Arnold Sauter: Stand und Perspektiven der genetischen Diagnostik - Sachstandsbericht. TAB-Arbeitsbericht Nr.66, April 2000. Wird auf Bestellung ohne Kosten zugesandt vom: Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, Neue Schönhauser Straße 10, 10178 Berlin. Tel.: 030-28 49 10, Fax: -28 49 11 19, e-mail: buero@tab.fzk.de Internet: www.tab.fzk.de (166 Seiten)

Knoepfler, Nikolaus; Anja Haniel (Hrsg.): Menschenwürde und medizinethische Konfliktfälle. Hirzel Verlag Stuttgart/Leipzig, 2000, 239 S., 68 DM

Mieth, Dietmar (Hrsg.) unter Mitarbeit von Uta Knoerzer: Ethik und Wissenschaft in Europa. Die gesellschaftliche, rechtliche und philosophische Debatte, Alber Verlag, 2000, 88 DM

Riewenherm, Sabine: Gentechnologie. Rotbuch 3000. Europäische Verlagsanstalt/Rotbuch Verlag, Hamburg, 2000, 95 S., 14,90 DM

Rifkin, Jeremy: Access. Das Verschwinden des Eigentums; wenn alles im Leben zur bezahlbaren Ware wird. Campus Verlag, 2000, 424 S., 49,80 DM

Wetz, Franz Josef: Die Würde der Menschen ist antastbar - eine Provokation. Klett-Cotta, 1998, 440 S., 48 DM

 
Neue Fernsehfilme

Matthies, Silvia: "Tod im Reagenzglas. Selektierte Embryonen Präimplantationsdiagnostik in der Reproduktionsmedezin. Eine Reportage". ARD am 25.Oktober 2000 (45 Min.). Eine Video-Kopie (nur zur privaten Verwendung) kann bei R. Lorenz, Tübingen, gegen Unkosten-Erstattung bestellt werden.

Sonhüter, Beatrice: "Geschäfte mit Patenten - vom Ausverkauf des irdischen Genpools". 06.Dezember 2000, 20 Uhr, in arte. Wiederholung am 13.Dezember 2000, 19.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

 
Veranstaltungen

15.12.2000, 14 bis 18 Uhr: Medizinethischer Ratschlag; Gaststätte Leineschloß in Hannover, Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz 1, (im Gebäude des Niedersächsischen Landtags, großer Saal - barrie- frei zugänglich!). Der Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen, Herr Karl Finke, lädt ein. Tagesordnung:
  • Frau Dr. U. Winkler, persönliche Referentin der Bundesgesundheitsministerin: Bericht über den derzeitigen Stand der Arbeit am Fortpflanzungsmedizingesetz
  • Herr B. Nedden, Landesbeauftragter für den Datenschutz: Datenschutzrechtliche Konsequenzen aus der Entschlüsselung des menschlichen Genoms
  • Herr René Röspel, MdB: Bericht über die Arbeit der Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen Medizin"
  • Diskussion über eventuelle gemeinsame Aktivitäten. Aktionsvorschläge sind willkommen

Anmeldung möglichst bis 5. Dezember an Frau R. Krebs, Postfach 141, 30001 Hannover, Tel.: 0511-120 4032, Fax:-4290

15.-17.12.2000: Ethik-Beratung im Krankenhaus. Ev. Akademie Tutzing, Schloßstr. 2+4, 82327 Tutzing. Tel.: 08158-2510, Fax:-996444.

18.-22.12.2000: Sterben begleiten - Kommunikation und Kooperation an der Grenze des Lebens. Zentrum f. Gesundheitsethik an der Ev. Akademie Loccum, Knochenhauerstr. 33, 30159 Hannover. Tel.: 0511-1241 496, Fax:-1241 497

Im Rahmen einer Vortragsreihe Die 'Würde des Menschen' beim Wort genommen, veranstaltet von der "Tübinger Initiative" und 10 weiteren Organisationen, finden u. a. folgende Veranstaltungen statt:

12.12.2000: Die moderne Fortpflanzungsmedizin und die 'Würde des Menschen'; Dr.Hille Haker, Universität Tübingen,

11.01.2001: Behinderte Menschen auf dem Weg von der Fürsorge zur Selbstbestimmung; Ottmar Miles-Paul, Interessenvertretung Selbstbestimmtes Leben, Kassel,

23.01.2001: Streit um 'Menschenwürde' und Selbstbestimmung in Europa? Prof. Dr. Dietmar Mieth, Universität Tübingen,

30.01.2001: "Gut gegen Gut" - Gesetzgebung im Kreuzungspunkt der Widersprüche; Margot von Renesse, MdB, Berlin,

08.02.2001: Die Würde der Kreatur zu achten gehört zur Menschenwürde; Prof. Dr. Klaus-Michael Meyer-Abich, Universität GHS Essen,

22.02.2001: Die 'Würde des Menschen' und das Biopatent - ein Widerspruch? Prof. Dr. H. Däubler-Gmelin, Bundesjustizministerin.


02.-04.02.2001: "Ware Mensch? Der menschliche Embryo als Objekt der Begierde". Vorträge, Arbeitsgruppen und Rundgespräch. Ev. Akademie Iserlohn. Anfragen an: Institut für Kirche und Gesellschaft, Berliner Platz 12, 58638 Iserlohn, Tel.: 02371-3520, Fax: -352 299.


Internet-Adressen
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VeBiS

Versandbuchhandel in Selbsthilfe gemeinn.GmbH, Alexanderstraße 2, 70184 Stuttgart, Tel.: 0711-234 8501; Fax: -234 8502; www.vebis-buch.de

VeBiS beschäftigt nur Menschen mit Behinderung. Diese sind zugleich Gesellschafterinnen und Gesellschafter der GmbH und damit Unternehmerinnen und Unternehmer. Die Gehälter orientieren sich an den Tarifen im Buchhandel.

VeBiS liefert jedes verfügbare Buch (über 400 000 Titel!) frei Haus! Beschafft auch Bücher aus Klein- und Selbstverlagen, die im regulären Buchhandel nicht erhältlich sind. Spezialisierung auf Fachliteratur aus den Bereichen Behindertenarbeit, Pflege, Pädagogok - insbes. kleine Spezialverlage. Katalog erhältlich.

Bestellen Sie Ihre Bücher bei VeBiS! Sie helfen neu geschaffene Arbeitsplätze für sechs Schwerbehinderte sichern!

 

"Gen-o-poly" - Ein Würfelspiel

Gen-o-poly ist ein Spiel, bei dem es darum geht, sich durch Beantwortung von Entscheidungsfragen eine Meinung über verschiedene "bioethische" Problemstellungen zu bilden. Wer genug Erfahrung gesammelt hat, wird "Bioethik-Experte".

Getreu dem Motto "spielend lernen" will Gen-o-poly den Blick auf die Verlierer/-innen der Bioethik lenken. Es geht hierbei beispielsweise um Fragen zu Veränderungen des Erbgutes, Organtransplantation oder Schwangerschaftsabbruch, bei denen man als Einzelner oftmals überfordert ist.

Gen-o-poly will die Spieler zum Nachdenken bringen und liefert Hintergründe über gesetzliche Regelungen, Inhalte der Bioethik-Konvention und aktuelle Themenbezüge. Das Spiel eignet sich besonders für die Beschäftigung im Konfirmations-, Religions- oder Ethik-Unterricht, da es die ethischen Grundsätze unserer Gesellschaft zur Diskussion stellt.

Gen-o-poly wurde in den Baunataler Werkstätten e.V. hergestellt. Der Erlös kommt dieser Einrichtung und dem Wohl der dort betreuten Menschen zu Gute.

Das Spiel kann zu einem Preis von DM 10,00 zuzüglich 7% MWST. und Versandkosten unter folgender Adresse bestellt werden:

Baunataler Werkstätten e.V., Kirchbaunaer Straße 19, 34225 Baunatal, Tel.: 0561-94951 225

 

Das Letzte: Berichte aus dem Tollhaus

Schadenersatz für die eigene Geburt, oder: Das Recht, nicht geboren worden zu sein

Nach 17 Jahren und mehreren gerichtlichen Instanzen hat das oberste französische Gericht den Eltern des 17-jährigen Nicolas Perruche Recht gegeben, daß Nicolas das Recht gehabt hätte, nie geboren zu werden. Zum ersten Mal in der Geschichte sprach ein französisches Gericht einem Menschen Schadenersatz für seine Geburt zu. Der Junge ist geistig stark behindert, taub und fast blind. Zu der Schädigung kam es, weil die Mutter, Josette Perruche, während der Schwangerschaft an Röteln erkrankt war. Sollte die Gesundheit ihres Kindes dadurch beeinträchtigt sein, wollte die Mutter die Abtreibung. Die Ärzte beruhigten sie jedoch - selbst nach drei Laboranalysen waren keine Schäden am Kind zu erkennen. Am 13.Januar 1983 kam Nicolas zur Welt. Schwer behindert, eine Folge der Rötelerkrankung... Die Perruches klagten gegen Arzt und Labor.

Das Gericht sprach den Eltern im Laufe der jahrelangen Auseinandersetzungen zwar Schadenersatzzahlungen zu, aber die Perruches gaben sich damit nicht zufrieden und klagten weiter. Es ging ihnen ausdrücklich um das Recht ihres Kindes - das Recht, nicht geboren worden zu sein. Und darin gab ihnen das Gericht nun Recht. (Nach: Der Tagesspiegel Berlin, 21.11.2000)

Ein Fall mit ähnlicher medizinischer Vorgeschichte in Deutschland wurde 1983 vom Bundesgerichtshof entschieden. Sowohl das schwerst geschädigte Kind wie die Eltern hatten den Frauenarzt auf Ersatz des Schadens verklagt, der ihnen durch die Fehldiagnose entstanden sei und in Zukunft entstehe. Das OLG München hatte beide Klagen zurückgewiesen und zum Anspruch des Kindes ausgeführt, daß es kein Recht darauf habe, abgetrieben zu werden, da es kein Verfügungsrecht über das eigene Leben gebe...... Es lasse sich aber die "besondere Lage" des Kindes überhaupt "mit den juristischen Kategorien des Schadensrechts nicht erfassen". Demgegenüber hat der BGH den Schadenersatzanspruch der Eltern als Anspruch aus Vertragsverletzung bejaht. Dagegen hat er den hier primär interessierenden Anspruch des behinderten Kindes verneint: Ein solches Forderungsrecht sei weder aus Delikt noch aus Vertrag, namentlich auch nicht aus einem Vertrag mit Schutzwirkung für das Kind zu begründen. (Nach E. Picker, "Schadenersatz für das eigene unerwünschte Leben 'Wrongful Life'", Tübingen 1995).
 

Niederlande: Aktive Sterbehilfe bald auch für Demente?

Das weltweit erste Gesetz zur aktiven Sterbehilfe wird zur Zeit in den Niederlanden vorbereitet. Es gilt als sicher, daß - vielleicht noch in diesem Jahr - eine klare Mehrheit im Parlament für dieses Vorhaben stimmen wird. Danach soll aktive Sterbehilfe straffrei sein, wenn folgende Kriterien beachtet werden: Der Patient muß "unerträglich und aussichtslos" leiden. Bedingung ist außerdem, daß der Arzt den Patienten über seine "Perspektive" informiert hat. Der Kranke muß einen "freiwilligen, wohlerwogenen, langfristigen Todeswunsch" hegen. Der Arzt hat einen unabhängigen Kollegen hinzuzuziehen. Die Beendigung des Lebens soll "medizinisch sorgfältig" erfolgen. Die Sterbehilfe ist meldepflichtig.

De facto wird aktive Euthanasie bereits jetzt in den Niederlanden geduldet. Bisher prüfen Ausschüsse die Rechtmäßigkeit der Fälle und geben routinemäßig ihre Erkenntnisse an die Staatsanwaltschaft weiter. Das fiele nach der Neuregelung weg. Nach niederländischen Schätzungen sind nur rund 50 Prozent der Ärzte bereit, Sterbehilfe zu melden.

Es besteht die Gefahr, daß die Indikationen für Sterbehilfe immer weiter ausgedehnt werden. So wurde bereits 1999 bei 913 Fällen (meistens todkranke Babys oder Menschen im Koma) ohne ausdrücklichem Wunsch der Patienten aktive Euthanasie geleistet. Bei 40% aller geistig Behinderten, die jährlich in Holland sterben, wird der Tod inzwischen durch den Arzt herbeigeführt. Die liberalen niederländischen Parteien sprechen sich sogar dafür aus, daß auch Demenz als Grund für aktive Sterbehilfe gelten soll. Ein Gericht in Haarlem sprach kürzlich einen Hausarzt frei, der einem 86-Jährigen Sterbehilfe geleistet hatte. Der Patient hatte als Grund für den Todeswunsch körperliche Leiden und den Verlust des sozialen Umfelds angegeben.

Der niederländischen Ärzteorganisation KNMG gehen solche Bestrebungen zu weit. Sie befürchtet, daß bei einem Fortschreiten dieser Entwicklung Ärzte bald zur Abgabestelle für Sterbehilfe-Präparate werden können. (Nach: Deutsches Ärzteblatt vom 10.11.2000 und dpa, Februar 1998).


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