Aktionsgruppe Biber
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Umfrage zur
Ulmer Gemeinderatswahl 1999
zum Tierschutz
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Unser Kommentar zu den Antworten
Einige Vorbemerkungen:
Wir sind ganz zufrieden mit der Rückläuferquote von ca. 25%. Allerdings
ist es so, dass eher Kandidaten aus den hinteren Plätzen geantwortet
haben, die weniger Chancen haben, in den Gemeinderat einzuziehen.
Über die Sammelantwort bei der SPD und bei den Grünen waren wir
nicht so sehr glücklich. Wir meinen, eine Gemeinderatswahl ist (schon
vom Wahlrecht her) eine Persönlichkeitswahl und eine Sammelantwort
untergräbt in gewisser Weise diese Persönlichkeitswahl indem
sie die Möglichkeiten des Bürgers, die Persönlichkeiten der
Kandidaten unter die Lupe zu nehmen, reduziert.
Wir haben übrigens (aus lauter Bosheit) die zahlreichen Rechtschreibfehler
bei den Antworten generell nicht korrigiert und wir haben uns bemüht,
bei der Umsetzung in die Internet-Form möglichst wenige eigene
hinzuzufügen.
Tierschutz
allgemein:
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Während alle anderen
Bundestagsfraktionen die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz
befürworten, haben Teile der CDU/CSU-Fraktion noch Bedenken dagegen.
Wie ist Ihre Meinung?
Die Antworten, die wir erhielten, entsprechen in etwa
dem Bundestrend. Bei der CDU ist die Meinung etwas geteilt, während
alle anderen fast ausschließlich dafür sind. Wir halten
es für eine wichtige Sache, weil nur auf diesem Wege eine ethische
Abwägungsmöglichkeit zwischen z.B. Forschungs- und Kunstfreiheit
und Tierschutz geschaffen werden kann.
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Viele Tierschutz-Vorschriften
der EU sind als Kompromiß zwischen den Interessen mehrerer Länder
aus unserer Sicht viel zu lax, doch ist es stets möglich, national strengere
Vorschriften zu erlassen. Wären Sie dafür, daß Deutschland
beispielsweise bei der Geflügelhaltung oder bei Tiertransporten strengere
Vorschriften erläßt?
Mit einer Ausnahme haben sich hier alle Kandidaten
für strengere Vorschriften im nationalen Bereich ausgesprochen. Wir
sind gespannt, was die später gewählten Stadträte sagen werden,
wenn wir vorschlagen, der Ulmer Schlachthof möge sich selbst eine
Transportbeschränkung auferlegen, wie dies der Münchner Schlachthof
getan hat.
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Stellen Sie sich als Wahlplakat
ein Bild von Ihnen vor mit einem Tierschutz-Wahlslogan. Wie würde Ihr
Slogan lauten?
(kein Kommentar unsererseits)
Tierschutz kommunal:
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Der Ausbau des derzeitigen Bärenzwingers zu einem
Freigehege, das diesen Namen auch verdient, wird derzeit von 34 der 40
Stadträte unterstützt. Außerdem haben wir über 6000
Unterschriften von Bürgern gesammelt. Der Denkmalschutz ist
grundsätzlich mit unseren Vorschlägen einverstanden. Sind Sie auch
für eine Erweiterung des Zwingers nach hinten hin in den Innenraum des
Fort Friedrichsau?
Nur zwei Kandidaten haben sich gegen die Erweiterung
des Zwingers ausgesprochen -- und stattdessen für seine totale Abschaffung
aus Tierschutzgründen. Uns wäre dies auch lieber, aber wohin mit
den Tieren? Zoos haben selber genügend und freilassen wäre vielleicht
auch nicht so gut für diese Tiere, die Freiheit gar nicht kennen. Doch
nicht in den Kochtopf oder in die Pfanne!!!
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Die Stadt Ulm hat Rücklagen
in Höhe von 17 Millionen DM, die sie ursprünglich für die
neue Straßenbahn ausgeben wollte (und die jetzt wohl hauptsächlich
für den anderweitigen Ausbau des Nahverkehrs verwendet werden sollen).
Sind Sie angesichts dieser Tatsache der Meinung, daß sich die Stadt
Ulm den Ausbau des Bärenzwingers nicht leisten kann, der nach uns
vorliegenden Kostenschätzungen größenordnungsmäßig
500 000 DM, also 3% von obiger Summe, kosten dürfte?
Zu dem Zeitpunkt, als wir diese Frage gestellt
haben, war es nicht abzusehen, dass durch einen Gemeinderatsbeschluß
die Diskussion um die Straßenbahn neu aufgerollt werden würde.
Uns ging es auch nicht darum, unbedingt einen Teil der 17 Millionen für
die Bären statt für den Nahverkehr auszugeben (obwohl wir da nichts
dagegen hätten). Wir wollten vielmehr Größenordnungen darstellen.
Wer 17 Millionen sparen kann, kann auch "locker" eine zusätzliche halbe
Million sparen.
Außerdem wollten wir nicht auf bereits verschwendetes
Geld (siehe unser Flugblatt) hinweisen, weil dieses
eben schon weg ist.
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In Heidelberg und Leimen (und
vielleicht auch anderswo) gilt für Hunde aus dem Tierheim eine zeitlich
befristete Hundesteuer-Befreiung. Wären Sie mit einer Hundesteuer-Reform
mit folgenden Eckwerten einverstanden:
- zeitlich befristete Hundesteuer-Befreiung für Tierheim-Hunde, z.B.
für 3 Jahre
- gleicher Steuersatz für Zweit-, Dritt- usw. -Hunde (statt doppeltem
Satz)
- keine Steuervergünstigungen bei gewerblich gehaltenen Hunden einschl.
solchen von Züchtern?
Zunächst eine
Vorbemerkung: Hundesteuer und Hundescheiße haben NICHTS miteinander
zu tun und das sollte auch so bleiben! Zunächst glauben wir, daß
die städtische Reinigung wegen der Hundehaufen, die uns natürlich
auch ein Dorn im Auge sind, nicht öfter im Einsatz ist. Vor allem aber
wollen wir vermeiden, daß eines Tages allgemein gesagt wird: "Ich zahle
Hundesteuer, deshalb darf mein Hund auf's Trottoir machen."
Hundesteuer ist, wie z.B. die Sektsteuer, eine Luxussteuer
aus einer Zeit, in der in "besseren Kreisen" Schoßhündchen
gehalten wurden und man (noch) meinte, die Reichen sollen mehr für
die Gemeinschaft aufbringen. So ist auch zu verstehen, dass der zweite und
weitere Hunde (also noch mehr Luxus) mit dem doppelten Satz besteuert wurden
und dass gewerblich gehaltene Hunde (also Nutztiere und kein Luxus) steuerbefreit
bzw. erheblich steuerbegünstigt waren. Die Zeiten haben sich geändert
(ein Hund ist heutzutage sehr häufig Begleiter und Freund einsamer Menschen)
und so gilt es u.E., die Steuer (wenn man nicht ganz auf sie verzichten
möchte) zu modernisieren.
Unsere Vorschläge zielen darauf ab, mit der befristeten Steuerbefreiung
für Tierheim-Hunde einen Anreiz zu geben, Hunde aus dem Tierheim zu
nehmen. Den Vorschlag des gleichen Steuersatzes für alle Hunde
begründen wir damit, dass Hunde Rudeltiere sind, und daher im Schnitt
die Haltung von mehreren Hunden tiergerechter ist, als die Einzelhaltung.
Der Abbau von Steuervergünstigungen für gewerblich gehaltene Hunde
ist einerseits als Ausgleich für eventuelle Ausfälle durch die
Steuerbefreiung für Tierheim-Hunde und die Vereinheitlichung des
Steuersatzes gedacht, andererseits soll gerade die Besteuerung von Hunden,
die von Züchtern gehalten werden, eine zusätzliche Verteuerung
dieser Hunde gegenüber den Tierheim-Hunden bewirken. Wir meinen, dass
es eigentlich genügend Hunde in Tierheimen gibt und dass es daher eigentlich
nicht nötig ist, neue Hunde in die Welt zu setzen, die womöglich
auch noch im Tierheim landen.
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Das Tierheim in Ulm arbeitet
seit Jahrzehnten am Rande des Ruins, nicht weil schlecht gewirtschaftet wird,
sondern weil eine einigermaßen anständige Unterbringung der Tiere
seinen Preis hat. In letzter Zeit sind zwar die Zahlungen der Städte
und Landkreise ans Tierheim erhöht worden, sind Sie dennoch für
eine weitere Verbesserung der städtischen Hilfe, beispielsweise durch
Erlassen oder Rückspenden der Müllgebühren oder der Gebühren
für Strom/Wasser?
Es herrscht (vor der Wahl) ziemlich einhellig
die Meinung vor, dass das Tierheim in ausreichender Höhe von
städtischer Seite bezuschusst werden muss. Wir sind froh, dass nicht
geantwortet wurde, das Tierheim solle schauen, dass es mit dem vorhandenen
Geld auskommt, weil das eben auf Kosten der Tiere ginge. Sicherlich ist es
allerdings so, dass das Image des Tierheims aufgebessert werden sollte, damit
die Spendierfreudigkeit des Gemeinderats auch steigt.
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Die Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm
trägt durch ihre Kastrations- und Sterilisationskampagnen von wilden
Katzen dazu bei, die Zahl der Katzen in Ulm und Neu-Ulm zu verringern und
das Tierheim zu entlasten, ohne einen Pfennig Zuschüsse von kommunaler
Seite zu bekommen. Halten Sie einen solchen präventiven Ansatz für
unterstützungswürdig?
Wir freuen uns auch hier, dass die Antworten
ganz überwiegend positiv waren. Im Fall des einen Kandidaten, dessen
Katzen von ohne sein Einverständnis kastriert worden, stellt sich die
Sache nach Auskunft der Katzenhilfe ganz anders dar. Außerdem gab es
zwei Antworten, die einen in der Südwestpresse erschienenen
äußerst diffamierenden und teilweise falschen Artikel
ansprechen.
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Die derzeitige Führung
der Blau im Stadtbereich birgt für Jung-Enten tödliche Gefahren.
So dürfte dieses Jahr kein einziges Entchen im Fischerviertel überlebt
haben. Würden Sie für ein kleines "Stadtqualitätsprogramm"
für Enten eintreten, d.h. für eine systematische Beseitigung von
Gefahrenstellen und evtl. für die Errichtung von Brutinseln?
Viele der Kandidaten waren sehr überrascht, da
sie sich darüber noch nie Gedanken gemacht hatten. Da wohl demnächst
an der Blau gebaut werden soll, werden wir uns da einklinken müssen.
Das war für uns dann auch eine Überraschung.
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Taubenkot ist
nachgewiesenermaßen kein besonderes hygienisches Problem, aber trotzdem
ein Problem. Viele Städte, darunter auch Ulm, versuchen, es mit einem
Taubenfütterungsverbot zu lösen. Tierschützer treten hingegen
für die flächendeckende(!) Einrichtung von Taubenhäusern (z.B.
in Schulen, Parkhäusern und anderen städtischen Gebäuden)
in denen Geburtenkontrolle dadurch betrieben wird, daß in den Nestern
echte Eier durch Gipseier ausgetauscht werden. Würden Sie im Fall Ihrer
Wahl einen derartigen Vorschlag unterstützen?
Hier werden wir wohl noch länger
Überzeugungsarbeit leisten müssen. Es gibt in Aachen mehrere der
von uns vorgeschlagenen Taubenhäuser und dort scheinen sie sich zu
bewähren. Da wir auf diesem Gebiet nicht ganz so firm sind, werden wir
uns erst einmal dort informieren. Insbesondere werden wir herausfinden, wer
die Taubenhäuser in Aachen betreut und was das kostet.
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