Aktionsgruppe Biber
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Umfrage zur
Ulmer Gemeinderatswahl 1999
zum Tierschutz
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Antworten von Kandidat
Andreas Havlik
(FDP, Listenplatz 3)
Sehr geehrter Herr Dr. de l a Fuente, sehr geehrte Mitglieder der Aktionsgruppe
Biber,
gerne beantworte ich die Fragen, die Sie mir freundlicherweise haben zukommen
lassen:
Tierschutz
allgemein:
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Während alle anderen
Bundestagsfraktionen die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz
befürworten, haben Teile der CDU/CSU-Fraktion noch Bedenken dagegen.
Wie ist Ihre Meinung?
Ja, ich bin für eine Aufnahme des Tierschutzes
in das Grundgesetz, in Form der Postulierung artgerechten und
artenschützenden Zusammenlebens von Mensch und Tier in unserem Land
im gewerblichen, wie nicht-gewerblichen Bereich.
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Viele Tierschutz-Vorschriften
der EU sind als Kompromiß zwischen den Interessen mehrerer Länder
aus unserer Sicht viel zu lax, doch ist es stets möglich, national strengere
Vorschriften zu erlassen. Wären Sie dafür, daß Deutschland
beispielsweise bei der Geflügelhaltung oder bei Tiertransporten strengere
Vorschriften erläßt?
Speziell als dem Haupt-Transitland der EU kommt Deutschland
eine besondere Rolle beim Schutz transportierter Tiere zu. Notwendige gesetzliche
Vorschriften müssen aber auch durch die Schaffung der benötigten
Infrastruktur begleitet werden, (z.B. Errichtung eines Netzes geeigneter
"Relaisstationen)
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Stellen Sie sich als Wahlplakat
ein Bild von Ihnen vor mit einem Tierschutz-Wahlslogan. Wie würde Ihr
Slogan lauten?
"Ohne Stimme - nicht ohne Rechte" (unter Verzicht eines
Fotos von mir)
Tierschutz kommunal:
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Der Ausbau des derzeitigen Bärenzwingers zu einem
Freigehege, das diesen Namen auch verdient, wird derzeit von 34 der 40
Stadträte unterstützt. Außerdem haben wir über 6000
Unterschriften von Bürgern gesammelt. Der Denkmalschutz ist
grundsätzlich mit unseren Vorschlägen einverstanden. Sind Sie auch
für eine Erweiterung des Zwingers nach hinten hin in den Innenraum des
Fort Friedrichsau?
Es stellt sich grundsätzlich die Frage: zu welchem
Zweck halten wir in unserer Stadt ohne jeden historischen, geographischen
oder pädagogischen Bezug Bären? Also:
- entweder wollen wir das aus irgendwelchen Gründen
so beibehalten, soll das auch finanziell gewollt werden, ohne in (art-)fremden
(Honig-)Töpfen zu räubern. Hätten wir dem Strassenbahnausbau
zugestimmt, würden wir die Bären dann in die Strassenbahn
umsiedeln?
- oder: Wir verabschieden uns im Guten von den Ulmer
Bären und Investieren das dadurch freigewordene Geld in den weiteren
Ausbau des Aquariums, z.B. um die tierschutz-pädagogische
Aussagefähigkeit der Schau zu erhöhen.
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Die Stadt Ulm hat Rücklagen
in Höhe von 17 Millionen DM, die sie ursprünglich für die
neue Straßenbahn ausgeben wollte (und die jetzt wohl hauptsächlich
für den anderweitigen Ausbau des Nahverkehrs verwendet werden sollen).
Sind Sie angesichts dieser Tatsache der Meinung, daß sich die Stadt
Ulm den Ausbau des Bärenzwingers nicht leisten kann, der nach uns
vorliegenden Kostenschätzungen größenordnungsmäßig
500 000 DM, also 3% von obiger Summe, kosten dürfte?
(siehe Antwort zur Frage 4)
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In Heidelberg und Leimen (und
vielleicht auch anderswo) gilt für Hunde aus dem Tierheim eine zeitlich
befristete Hundesteuer-Befreiung. Wären Sie mit einer Hundesteuer-Reform
mit folgenden Eckwerten einverstanden:
- zeitlich befristete Hundesteuer-Befreiung für Tierheim-Hunde, z.B.
für 3 Jahre
- gleicher Steuersatz für Zweit-, Dritt- usw. -Hunde (statt doppeltem
Satz)
- keine Steuervergünstigungen bei gewerblich gehaltenen Hunden einschl.
solchen von Züchtern?
- Ja zur zeitlich befristeteten Gewährung
von Steuernachlässen für Tierheimhunde, Nein zu einer, wenn auch
befristeten, Steuerbefreiung.
- Ich sehe aus Sicht der Tiere keinen Grund durch
einen "Mengenrabatt" Anreize zur konzentrierten Hundehaltung in der Stadt
zu schaffen. Sinnvoll ist eine solche Steuerbefreiung bei Hundewürfen
bis zu einem Welpenalter von 6 Monaten.
- Die Steuerbefreiung von gewerblicher Hundehaltung
ist sinnvoll und sollte beibehalten werden.
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Das Tierheim in Ulm arbeitet
seit Jahrzehnten am Rande des Ruins, nicht weil schlecht gewirtschaftet wird,
sondern weil eine einigermaßen anständige Unterbringung der Tiere
seinen Preis hat. In letzter Zeit sind zwar die Zahlungen der Städte
und Landkreise ans Tierheim erhöht worden, sind Sie dennoch für
eine weitere Verbesserung der städtischen Hilfe, beispielsweise durch
Erlassen oder Rückspenden der Müllgebühren oder der Gebühren
für Strom/Wasser?
Da die Übersichtlichkeit in Management-Fragen
des Tierheims Ulm in den letzten 12 Monaten etwas getrübt war, kann
ich Ihnen diese Frage, auch in Unkenntniss über die tatsächlichen
Zuwendungen von kommunaler Seite, nicht beantworten.
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Die Katzenhilfe Ulm/Neu-Ulm
trägt durch ihre Kastrations- und Sterilisationskampagnen von wilden
Katzen dazu bei, die Zahl der Katzen in Ulm und Neu-Ulm zu verringern und
das Tierheim zu entlasten, ohne einen Pfennig Zuschüsse von kommunaler
Seite zu bekommen. Halten Sie einen solchen präventiven Ansatz für
unterstützungswürdig?
Ja
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Die derzeitige Führung
der Blau im Stadtbereich birgt für Jung-Enten tödliche Gefahren.
So dürfte dieses Jahr kein einziges Entchen im Fischerviertel überlebt
haben. Würden Sie für ein kleines "Stadtqualitätsprogramm"
für Enten eintreten, d.h. für eine systematische Beseitigung von
Gefahrenstellen und evtl. für die Errichtung von Brutinseln?
Ja
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Taubenkot ist
nachgewiesenermaßen kein besonderes hygienisches Problem, aber trotzdem
ein Problem. Viele Städte, darunter auch Ulm, versuchen, es mit einem
Taubenfütterungsverbot zu lösen. Tierschützer treten hingegen
für die flächendeckende(!) Einrichtung von Taubenhäusern (z.B.
in Schulen, Parkhäusern und anderen städtischen Gebäuden)
in denen Geburtenkontrolle dadurch betrieben wird, daß in den Nestern
echte Eier durch Gipseier ausgetauscht werden. Würden Sie im Fall Ihrer
Wahl einen derartigen Vorschlag unterstützen?
Im Ansatz sinnvoll, würde ich ein solches Projekt
als Feldversuch befürworten, ohne allerdings bestehende Programme
außer Kraft zu setzen.
Ich danke Ihnen für die Möglichkeit, mich zu diesen Fragen an ein
interessiertes und fachkundiges Publikum erklären zu dürfen.
Gerne stehe ich Ihnen auch für persönliche Gespräche über
diese und andere Fragen zur Verfügung. In der Hoffnung auf weiteren
Dialog verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
(gez. Andreas Havlik)
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